ZAHNMEDIZIN | 73 Verlaufskontrollen. Nach einem Jahr stellte sich der Patient erneut vor (Abbildung 6). Er war beschwerdefrei und mit den provisorischen Füllungen zufrieden. Klinisch zeigten die Zähne 13 bis 23 positive Vitalitätsreaktionen, waren perkussionsunempfindlich und wiesen keine erhöhte Lockerung auf. Die röntgenologische Kontrolle zeigte unauffällige apikale Verhältnisse und keinen Anhalt auf Resorptionen (Abbildung 7). zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1411) Abb. 6: Intraoraler Befund mit Frontzahnrestaurationen an den Zähnen 11 und 21 ein Jahr nach dem Frontzahntrauma Fotos: Marie Eckhardt Abb. 7: Zahnfilm der Zähne 11 und 21 ein Jahr nach dem Frontzahntrauma mit unauffälligen apikalen Verhältnissen und ohne Hinweise auf Resorptionen Fall 2: Frontzahntrauma bei einem Jugendlichen – Grenzen der partiellen Pulpotomie Ein 15-jähriger Patient stellte sich etwa 36 Stunden nach einem Freizeitunfall in Begleitung seiner Mutter in der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und digitale Zahnmedizin des LMU Klinikums München vor. Die Allgemeinanamnese war unauffällig (keine Systemerkrankungen, keine Allergien, keine Dauermedikation, Tetanusschutz aktuell). Die Erstversorgung war am Unfalltag im zahnärztlichen Notdienst alio loco erfolgt. Befunde und Diagnostik Am Zahn 11 wurde die eröffnete Pulpa mit Kalziumhydroxid abgedeckt und adhäsiv versiegelt. An Zahn 21 unterblieb jegliche Pulpaschutzmaßnahme (Abbildung 8). Beide Zahnfragmente waren nicht mehr auffindbar. Klinisch reagierten beide Zähne positiv (Zahn 21 leicht überhöht) auf die Sensibilitätsprüfung, beide hatten einen Lockerungsgrad I und eine negative Perkussionsempfindlichkeit. An Zahn 11 bestand zusätzlich eine Sulkusblutung. Radiologisch (OPG, Zahnfilm) (Abbildung 9) ergaben sich keine Hinweise auf apikale Pathologien. Darüber hinaus zeigte sich zur Erstvorstellung (sowie zu allen weiteren Untersuchungszeitpunkten) eine generalisierte Plaqueinduzierte Gingivitis. Nach Entfernung der provisorischen Kalziumhydroxidabdeckung an Zahn 11 unter geschlitztem Kofferdam wurden die folgenden Trauma-bezogenen Diagnosen bestätigt (Abbildung 10, links): Zahn 11: Schmelz-Dentin-Fraktur mit Pulpaeröffnung (4 mm × 1 mm) Zahn 21: Schmelz-Dentin-Fraktur ohne Pulpaeröffnung Therapie Die partielle Pulpotomie wurde mit einem sterilen, diamantierten Schleifkörper in einer Tiefe von 2 mm bis 3 mm an den Zähnen 11 und 21 durchgeführt (Abbildung 10, Mitte). An Zahn 21 bestand aufgrund der ausgeprägten Pulpanähe mit flächiger, rötlicher Durchschimmerung und der verlängerten Exposition zur Mundhöhle PRAXISTIPP Zur Trockenlegung wurde die geschlitzte Kofferdam-Technik (Split-Dam-Technik) angewendet: Dabei werden mehrere Stanzlöcher zu einem Schlitz verbunden, so dass der Kofferdam über die betroffene Zahngruppe gespannt und an den Nachbarzähnen fixiert werden kann. Diese Technik bietet sich insbesondere im Kontext dentaler Traumata bei Kindern und Jugendlichen an, da sie schnell und schonend applizierbar ist, sowie bei tief frakturierten Zähnen, an denen eine konventionelle Einzelzahnisolierung mittels Klammer nicht sicher möglich ist, weil sie eine gute Übersicht bei gleichzeitigem Schutz der Weichgewebe gewährleistet. Da der Sulkusbereich bei der geschlitzten Technik nicht speicheldicht abgeschlossen wird, wurde im beschriebenen Fall die Abdichtung an den Zähnen 11 und 21 durch flüssigen Kofferdam ergänzt.
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