74 | ZAHNMEDIZIN der Verdacht auf eine bereits eingetretene bakterielle Penetration über die Dentintubuli mit konsekutiver oberflächlicher Pulpaentzündung. Anstelle einer indirekten Überkappung wurde daher eine gezielte Eröffnung mit partieller Pulpotomie durchgeführt, um das potentiell entzündete koronale Pulpagewebe direkt beurteilen und entfernen zukönnen. Die Blutstillung gelang mit einem mit Natriumhypochlorit getränkten Schaumstoffpellet. Danach wurde die Wundfläche mit einem Kalziumsilikatzement (Biodentine®, Septodont) überkappt (Abbildung 10, rechts) und der Zahn provisorisch bakteriendicht adhäsiv versorgt. Notwendiger Umstieg auf Wurzelkanalbehandlung Bei der Wiedervorstellung zur Planung der definitiven Frontzahnrestauration berichtete der Patient über spontane, pochende Schmerzen an Zahn 11 und zeigte eine überhöhte und prolongierte Kältereizantwort bei leicht positiver Perkussion. Die klinische Diagnose einer irreversiblen Pulpitis war eindeutig. Da sich die apikale Konstriktion intraoperativ nicht sicher bestimmen ließ, wurde zur Vermeidung einer apikalen Überinstrumentierung ein apikaler Plug aus einem hydraulischen Kalziumsilikatzement (hier MTA) gelegt (Abbildung11). Ästhetische Rehabilitation Nach Abschluss der endodontischen Behandlung von Zahn 11 erfolgte für beide Inzisivi eine direkte adhäsive Kompositrestauration. Nach diagnostischem Wax-up und der Herstellung eines Silikonschlüssels zur palatinalen Wandrekonstruktion erfolgte die Frontzahnrestauration mittels Komposit (Nanohybrid-Komposit Essentia, GC) (Abbildung 12). Diskussion Die beiden Patientenfälle zeigen das Potenzial und die Grenzen der partiellen Pulpotomie bei traumatischer Pulpaexposition auf. Im ersten Fall blieb die Pulpavitalität langfristig erhalten, im zweiten Fall kam es trotz leitliniengerechter Durchführung zu einer irreversiblen Pulpitis mit nachfolgender Wurzelkanalbehandlung. Kronenfrakturen mit Pulpaeröffnung erfordern eine sorgfältige Therapieentscheidung zwischen vitalerhaltenden Maßnahmen und einer primären endodontischen Behandlung. Sind die Voraussetzungen erfüllt, sollte der Vitalerhalt das primäre Therapieziel darstellen, da er die natürlichen Abzm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1412) Abb. 10: Klinische Ausgangssituation nach Entfernung der provisorischen Kalziumhydroxid-Abdeckung unter geschlitztem Kofferdam (links), nach partieller Pulpotomie an 11 und 21 (Mitte) und Überkappung der Wundfläche mit Kalziumsilikatzement (Biodentine®, Septodont) Fotos: Charlotte Wetzel Abb. 8: Klinische Ausgangssituation unter geschlitztem Kofferdam nach Erstversorgung alio loco Abb. 9: Präoperativer Zahnfilm der Zähne 11 und 21 ohne Hinweis auf apikale Pathologien
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