GESELLSCHAFT | 77 Tagesanbruch die Stadt zu erreichen. Dort war Darcy einige Stunden zuvor verstorben. Der Legende nach bestärkte Darcys Geschichte Reverend John Flynn darin, einen luftgestützten Rettungsdienst für das Outback zu entwickeln. Der Pfarrer der Presbyterianischen Kirche hatte 1912 mit der Australian Inland Mission die ersten Buschkrankenhäuser eröffnet – und träumte schon vor dem Ersten Weltkrieg von einer Nutzung der noch jungen Fliegerei für Krankentransporte. Von den ersten vereinzelten Flügen bis zur Gründung einer flächendeckenden Versorgung vergingen jedoch noch einmal mehr als zehn Jahre. Denn neben zuverlässigen Flugzeugen brauchte es vor allem ein leicht bedienbares und vom Stromnetz unabhängiges Funkgerät. Die Anreise ohne Flugzeug konnte Wochen dauern Als der deutschstämmige Alfred Traeger 1928 ein Pedal-angetriebenes Modell serienreif entwickelte, konnten plötzlich sogar zuvor isolierte Siedlungen und Farmen über eine Entfernung von bis zu 500 Kilometern Notrufe absetzen – und Flynn gründete den Aerial Medical Service (AMS). Am 17. Mai 1928, mehr als ein Jahrzehnt nach Darcys Tod, startete der Pilot Arthur Affleck schließlich von Cloncurry nach Julia Creek in Flynns erstem „fliegendem Krankenwagen“, der von der neuen, in Longreach ansässigen Buschfluggesellschaft Qantas geleast worden war. 1934 wurde aus dem AMS der „Australian Aerial Medical Service“, acht Jahre später änderte sich der Name in „Flying Doctor Service“. Mit Zustimmung der englischen Krone entstand 1955 der heutige Name. In den Folgejahren erwarb der RFDS eigene Flugzeuge, sodass er nicht mehr auf die Bereitstellung fremder Maschinen angewiesen war. Heute besteht die Flotte aus zwei Hubschraubern und 87 Flugzeugen, darunter ein zweistrahliges Düsenflugzeug, das so konzipiert ist, dass es im Outback auf unbefestigten Sandpisten oder gesperrten Highways starten und landen kann. Der RFDS hat nach eigenen Angaben aktuell etwa 1.900 Beschäftigte, deckt ein Gebiet von mehr als 7,15 Millionen Quadratkilometern ab und ermöglichte im vergangenen Jahr mehr als 345.000 Arzt-Patienten-Kontakte. 32.949 Kranke wurden per Flugzeug transportiert, weitere 53.914 mit Autos aus dem eigenen Fuhrpark. 23 Flugbasen sind über ganz Australien verteilt. Inzwischen ist der RFDS nicht mehr auf die Notfallversorgung beschränkt, er ermöglicht auch Impfprogramme im ländlichen Raum sowie persönliche Beratungsgespräche im Bereich der Primärversorgung und der psychischen Gesundheit. Die australische Krankenversicherung Medicare deckt alle Kosten für Leistungen des RFDS ab, das gilt auch für internationale Versicherungsabkommen auf Gegenseitigkeit. Patienten ohne Versicherung müssen die Behandlungskosten jedoch selbst zahlen. mg zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1415) Foto: State Library of Queensland UND DIE ZAHNMEDIZIN? DIE PRAXIS PASST IN DIE KLEINSTE PROPELLERMASCHINE Mit einem mobilen Dienst begann die Sektion Queensland des RFDS 2013, die zahnmedizinische Versorgungslücke in ländlichen Gebieten zu schließen. In Kooperation mit Aborigines-Organisationen werden die Teams in abgelegene Siedlungen in Südaustralien und im Northern Territory eingeflogen. Häufig verbringen sie dort eine ganze Woche, um Notfallbehandlungen, Vorsorgeuntersuchungen und Mundhygieneunterweisungen anzubieten. Größere Gemeinden, die über befestigte Straßen gut erreichbar sind, bekommen stattdessen Besuch von einer voll ausgestatteten mobilen Zahnklinik, die in einem Sattelauflieger untergebracht ist. Sie verfügt über professionelle Behandlungszimmer und modernste Technik, darunter auch ein Orthopantomogramm-Gerät (OPG). Wenn die zahnmedizinischen Teams mit dem Flugzeug anreisen, werden häufig Gemeinderäume kurzerhand in Behandlungszimmer umfunktioniert. Foto: YouTube-Adelaide Airport Limited Erst der „Traeger Pedal Wireless“ ermöglichte eine flächendeckende medizinische Versorgung, nun konnten auch entlegene Siedlungen einen Notruf absetzen.
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