Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

ZAHNMEDIZIN | 49 tere kieferorthopädische Einbindung der Transplantate zur dauerhaften Sicherung von Funktion und Ästhetik (in Kooperation mit der kieferorthopädischen Fachpraxis Dr. Patricia FriegelOeder, Sundern). Operatives Vorgehen Die atraumatische Extraktion der Zähne 11 und 21 erfolgte im ersten Schritt. Die extrahierten Zähne zeigten makroskopisch die typische längsverlaufende Furchenbildung (Abbildungen 4 und 5). Sechs Wochen später, nach Konsolidierung des Weichgewebsverschlusses und kieferorthopädischer Einordnung der seitlichen Inzisivi 12 und 22 (Abbildung 6), erfolgte die Transplantation der Zähne 34 und 44 unter Intubationsnarkose. Zunächst wurden die Empfängerregionen im Oberkiefer mit rotierenden Instrumenten sowie mittels Knochenexpandern präpariert (Abbildung 7). Im Anschluss wurden die Spenderzähne unter maximaler Schonung des Desmodonts und des Parodontalligaments entnommen (Abbildung 8). Das Foramen apicale der Prämolaren war zu diesem Zeitpunkt noch weit offen (> 3 mm), und die Wurzelbildung war noch nicht vollständig abgeschlossen – ein Befund, der prognostisch als günstig für eine erfolgreiche Revaskularisation und ein fortgesetztes Wurzelwachstum gilt. Die Positionierung der Transplantate erfolgte unter Beachtung der okklusalen Ausrichtung und der vestibulooralen Achse. Zur primären Stabilisierung wurden vestibulär Brackets appliziert und die transplantierten Zähne über Drahtligaturen sowie Komposit in die bestehende Multibracketapparatur integriert (Abbildung 9). Postoperativ schlossen sich regelmäßige klinische Nachkontrollen zur Beurteilung von Sensibilität, Zahnstellung und Einheilungan. Versorgung und Verlauf Fünf Wochen postoperativ wurde die Verankerung der transplantierten Zähne von der übrigen Apparatur gelöst (Abbildung 10). Anschließend wurden die transplantierten Prämolaren mittels odontoplastischer Umgestaltung mit Komposit zu zentralen Inzisivi umgeformt, um eine funktionelle und ästhetische Angleichung an die benachbarten Schneidezähne zu erzielen. Vier Monate nach dem Eingriff wurden die Transplantate in die aktive kieferorthopädische Behandlung einbezogen (Abbildung 11). Eine erste radiologische Kontrolle drei Monate postoperativ bestätigte die korrekte Position und die beginnende Heilung (Abbildung 12). Die klinischen Nachuntersuchungen zeigten eine komplikationsfreie Einheilung ohne Hinweise auf entzündliche Veränderungen. In der sechsjährigen Verlaufskontrolle präsentierten sich die Zähne funktionell belastbar, ohne Lockerung oder Resorptionszeichen (Abbildungen 13 und 14). Die ästhetische Integration blieb stabil. Aufgrund des fortschreitenden Kieferwachstums wurde eine erneute Kompositkorrektur erforderlich, erkennbar an der veränderten Lage der zervikalen Kompositgrenze. Die Transplantate fügten sich sowohl funktionell als auch ästhetisch harmonisch ins Zahnbild ein und erfüllten damit die therapeutischen Ziele. Radiologisch ließ sich ein kontinuierliches Wurzelwachstum nachweisen, begleitet von einer zunehmenden Pulpaobliteration (Abbildung 15) – beides Zeichen vitaler, revaskularisierter Transplantate. Diskussion Die dentale Gemination ist eine seltene Entwicklungsstörung mit multifaktorieller Ätiologie: Diskutiert werden genetische Prädispositionen, zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1483) Abb. 10: Klinisches Bild der transplantierten Zähne fünf Wochen postoperativ nach Entfernung der Schienung Abb. 11: In die kieferorthopädische Apparatur integrierte Transplantate nach odontoplastischer Umformung mit Komposit zu zentralen Inzisivi Fotos: Privatzahnklinik Schloss Schellenstein

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