GESELLSCHAFT | 65 das Engagement auf Menschen auszuweiten, die einen Zahnarztbesuch aus Sorge vor den möglichen Kosten lange aufschieben. Peter Fox, Joris und Dota stehen auf der Bühne „Wenn man nur Schmerzbehandlungen macht, ist man ständig am Reparieren“, sagt Wenk. „Eine vernünftige Zahnerhaltung oder Prophylaxe ist dann kaum noch möglich.“ Ziel müsse deshalb sein, die Menschen früher zu erreichen. Als möglichen Partner nennt sie etwa die Arche, die sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und Familien unterstützt. Dass es an diesem Vormittag ruhiger bleibt als erwartet, liegt offenbar nicht an fehlender Hilfsbereitschaft der Praxen. Im Gegenteil: Mehr Praxen als je zuvor wollten sich am Dental Street Day beteiligen. Die größere Herausforderung war in diesem Jahr, wohnungslose Patientinnen und Patienten tatsächlich in die Behandlungszimmer zu bringen. Im Anschluss feierte die Community am Abend ein Straßenfest mit DJs, Streetfood und Live-Auftritten. Neben Peter Fox standen bei der SpendenBlockparty Joris und Dota auf der Bühne. Alle Einnahmen fließen an die beteiligten Hilfsprojekte. nl zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1499) Bei Dr. Katja Wenk (r.) und Zahnärztin Viktoria Lemm und ihrem Team gab es nicht nur Mundhygieneprodukte, sondern auch belegte Brötchen. Foto: nl/zm und es hat niemanden gestört. Ich war selbst überrascht von der Selbstverständlichkeit, mit der das mittlerweile bei uns auch außerhalb des Dental Street Day weiterläuft. Wie viele Menschen versorgen Sie inzwischen über den Dental Street Day hinaus? Denn es war ja von Anfang an ein Ziel, nicht nur an einem Tag zu behandeln. Die genaue Zahl weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass wir auch mehrfach Zahnersatz gemacht haben. Ich bekomme aus dem Abrechnungsteam immer wieder Rückfragen wie: „Machen wir die Prothese jetzt auch umsonst?“ Daher weiß ich, dass das alles weiterläuft. Bei uns machen das ungefähr drei Kolleginnen und Kollegen. Wir verteilen die Fälle. Wir haben auch schon wohnungslose Patienten in Implantatkursen behandelt – als Live-Patienten in einer Supervisionssituation. Die Idee ist, solche Patienten perspektivisch stärker in die Kurse zu integrieren, so dass sie zum Beispiel hochwertige Implantatversorgungen bekommen können, ohne dafür etwas bezahlen zumüssen. Entsteht damit aus dem Aktionstag langsam tatsächlich ein dauerhaftes Versorgungsnetz? Ja, im Grunde entsteht dieses Netz gerade schon. Nicht nur wir, sondern auch andere Praxen behandeln Wohnungslose über den Aktionstag hinaus. Das Ziel ist ganz klar, dass die Behandlung weitergeht. Der eine Tag ist eigentlich nur ein MarketingTool, um das Ganze auf den Weg zu bringen. Ein großes Thema von Anfang an: Vertrauen. Den Sozialarbeitern war sehr wichtig, dass den Patienten keine Folgekosten entstehen. Es gab intensive Gespräche darüber, weil natürlich die Sorge bestand, dass jemand zu einer Behandlung geschickt wird und drei Monate später eine Rechnung bekommt. Diese Bedenken haben wir ausräumen können. Zum Dental Street Day gehört mittlerweile ja auch die Blockparty am Abend. Welche Funktion hat sie für das Projekt? Die Party bedient Awareness, Spenden und Community beziehungsweise Networking. Sie schafft vor allem Aufmerksamkeit für den Dental Street Day und ist ein Vehikel, um das Thema über Social Media weiterzutragen und weitere Zahnärzte zu erreichen. Dieses Jahr konnten wir sogar Peter Fox als main act gewinnen. Die Eintrittsgelder beziehungsweise die Spendeneinnahmen gehen unmittelbar an die beteiligten Hilfsorganisationen. Und natürlich ist die Party auch ein Community-Ding. Das ist etwas, was sich in den vergangenen Jahren für mich stark verändert hat: Dieser Konkurrenzgedanke unter Zahnärzten löst sich innerhalb dieser Community zunehmend auf. Wir empfehlen uns gegenseitig und unterstützen uns. Ich liebe diesen CommunityGedanken dahinter. Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe. Peter Fox war der Überraschungsgast auf der Dental Street Day Blockparty. Foto: Berlin Dental Hub
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