ZAHNMEDIZIN | 67 Extraktion oder Implantation aus medizinischen Gründen kontraindiziert oder nur unter strengen Ausgangsvoraussetzungen realisierbar sein, beispielsweise bei Patientinnen und Patienten nach Radiatio im Kopf-HalsBereich, unter Bisphosphonattherapie, bei Antikoagulation oder bei relevanten kardiopulmonalen Erkrankungen [Chen et al., 2013]. Auch finanzielle Erwägungen können die Indikation für eine Extrusion begünstigen, da die Kosten für implantatgetragene Versorgungen in der Regel von den gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nicht getragen werden und diese Art der Therapie damit für eine große Bevölkerungsgruppe nicht zugänglich ist. Eine weitere Patientenkohorte, die von diesem Behandlungskonzept maßgeblich profitiert, ist die Gruppe der Heranwachsenden [Jemt et al., 2006], bei denen eine implantologische Versorgung nicht angezeigt ist. Darüber hinaus kann der Patientenwunsch selbst für den Zahnerhalt sprechen. Auch für Patienten, für die aus ethischen oder persönlichen Gründen augmentative Maßnahmen mit Materialien tierischen Ursprungs ausgeschlossen sind, kann dieses Behandlungskonzept eine interessante Alternative darstellen. Vorteile Der größte Vorteil der orthodontischen Extrusion liegt darin, dass sie ein konservatives Verfahren darstellt. Durch das Belassen der Wurzel im Alveolarknochen werden das marginale Knochenniveau und das umliegende Weichgewebe erhalten – im Gegensatz zu chirurgischen Eingriffen, bei denen in den allermeisten Fällen mit einer Reduktion der beiden Komponenten zu rechnen ist [Tan et al., 2012]. Nachdem die koronale Bewegung abgeschlossen ist, kann der Zahn mithilfe eines Stiftaufbaus und einer Krone versorgt werden, ohne dass Nachbarzähne in die restaurative Versorgung einbezogen werden müssen. Außerdem erfolgt die Behandlung schmerzfrei und ist für den Patienten deutlich weniger invasiv als chirurgische Maßnahmen. Nachteile Trotz der Vorteile sind mit der Technik der Wurzelextrusion auch einige Nachteile verbunden. So erfordert die orthodontische Extrusion viel Behandlungszeit: Die Zahnbewegung selbst, die Retentionszeit und die anschließende restaurative Versorgung mit den begleitenden endodontischen Maßnahmen nehmen viel Zeit in Anspruch. Die Mitarbeit des Patienten ist entscheidend für den langfristigen zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1501) Dr. med. dent. Ece Atay Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre, CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin Foto: privat Dr. med. dent. Maria Bruhnke Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre, CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin Foto: Katja Feldmeier PD Dr. Stefano Pieralli Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre, CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin Foto: privat Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, MME CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre Charité – Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin Foto: Privat PD Dr. med. dent. Guido Sterzenbach Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre, CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin Foto: privat Dr. Med. Dent. Mats Wernfried Heinrich Böse Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre, CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin Foto: Charité Berlin
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