ZAHNMEDIZIN | 69 Bei der chirurgischen Extrusion wird der betreffende Zahn zunächst aus der Alveole entfernt und anschließend weiter koronal repositioniert. Demgegenüber erfolgt die kieferorthopädische Extrusion durch die Anwendung kontrollierter orthodontischer Kräfte, die den Zahn schrittweise aus der Alveole bewegen. Die kieferorthopädische Extrusion kann entweder über einen längeren Zeitraum mit geringen Kräften oder als forcierte Extrusion innerhalb weniger Wochen durchgeführt werden. Letztere basiert auf dem Einsatz erhöhter Zugkräfte. In der Theorie überschreiten sie das physiologische Anpassungsvermögen der umgebenden Gewebe, wodurch eine koronale Migration von Gingiva und Alveolarknochen weitgehend reduziert werden soll [Bach et al., 2004]. In der wissenschaftlichen Literatur sind zahlreiche Techniken für eine orthodontische Extrusion zum Erhalt tief zerstörter Zähne beschrieben. Dazu zählen der Einsatz von Magneten [Mehl et al., 2008], von festsitzenden Multibracketapparaturen [Ziskind et al., 1998], von herausnehmbaren kieferorthopädischen Geräten [Murchison & Schwartz, 1986] sowie von modifizierten Totalprothesen [Molina, 1984]. Viele dieser Konzepte sind jedoch mit einem erhöhten apparativen oder technischen Aufwand verbunden und daher nur eingeschränkt für die tägliche Praxis geeignet. Tabelle 1 fasst exemplarisch das Vorgehen einer forcierten orthodontischen Extrusion mithilfe von an Nachbarzähnen befestigten Zugbändern zusammen und enthält alle Arbeitsschritte und Materialien, die für dieses Verfahren benötigt werden. Die Bilder stammen aus verschiedenen Patientenfällen. Bei sorgfältiger Diagnostik und entsprechender Behandlungszm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1503) ARBEITSSCHRITTE UND MATERIALIEN Nr. Arbeitsschritt To-dos Material 1. Diagnostik Initiales Röntgenbild (Abb.1) 6-Punkt Messung Digitaler Scan oder Abformung Fotodokumentation (Abb. 2 und 3) Zahnfilm Parodontalsonde Planungsmodelle/Scans Kamera 2. Extrusion relative Trockenlegung Watterollen, Parotispads Darstellung des Restaurationsrandes Retraktionsfäden, Blutstillung Kariesexkavation und Entfernung der koronalen Guttapercha (ggf. medikamentöse Einlage) Rotierende Instrumente Befestigung Stift in orovestibulärer Richtung im Wurzelkanal (Abb. 4) glasfaserverstärkter Kompositstift selbstadhäsiver Befestigungszement Silanapplikation und Anbringen von Unterschnitten jeweils palatinal und vestibulär (Abb. 4) Silan fließfähiger Komposit Befestigung Stift an den Nachbarzähnen mit Säureätztechnik und fließfähigem Komposit als Widerlager für die Extrusionsmechanik (Abb. 5) Phosphorsäure, Adhäsiv und fließfähiges Komposit oder LZP mit entsprechendem Befestigungskomposit Kontrolle des Abstandes (Abb. 6) Zirkuläre Fibrektomie (Abb. 7) Zugapplikation in koronaler Richtung Skalpell oder Laser kieferorthopädische Elastics 3. Kontrolle Ggf. neue Zugapplikation (Abb. 8 und 9) Kieferorthopädische Elastics 4. Retention Reinigung des Zahnes und Trockenlegung Wasser-Pulverstrahlgerät, Watterollen, Parotispads Silanapplikation auf der Oberfläche des extrudierten Zahnes und der Nachbarzähne (Abb. 8) Silan Adhäsive Befestigung (Abb.10) und Modellation des extrudierten Zahnes an das Widerlager und die Nachbarzähne für mindestens acht Wochen (Abb. 11) Entfernen aller Okklusionskontakte (statisch und dynamisch) Adhäsivsystem Komposit Rotierende Instrumente 5. Restauration je nach Indikation: endodontische Behandlung, Stiftaufbau, Restauration mit Einzelzahnkrone (Abb. 12 und 13) je nach Indikation Tab. 1 Quelle: Maria Bruhnke
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