Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

GESELLSCHAFT | 73 Fotos: Yanukit Raiva / gettyimages, Mississippi State Sovereignty Commission, Highsmith / Library of Congress of the South“. Solche Unternehmen schufen wirtschaftliche Strukturen für schwarze Bürger in einer Gesellschaft, in der sie in der Regel weder einen gleichberechtigten Zugang zu Institutionen noch zu Kapital, Krediten oder Versicherungen hatten. Eine eigene Lebensversicherungsgesellschaft bedeutete, dass angelegtes Kapital innerhalb der schwarzen Gemeinschaft blieb, schwarze Familien Lebensversicherungen abschließen, Schwarze als Versicherungsmakler arbeiten und Prämien und Investitionen innerhalb eines schwarzen Wirtschaftsnetzwerks zirkulieren konnten. McCoy investierte auch direkt in seine Farish Street: Während des Zweiten Weltkriegs zog er dort zwei Kinos hoch. Vorab musste er dabei vor der 1942 gegründeten Ressourcenschutzbehörde „War Production Board“ begründen, warum der Bau eines Kinos während des Krieges trotz der damaligen Materialknappheit notwendig sei, konnte die Verwaltung aber offenbar überzeugen: Im März 1944 eröffnete er das „Ritz Theatre“, 1946 das „Grand“ mit 520 Sitzplätzen. Doch das Kinogeschäft war für den Zahnarzt nur eine kurzweilige Unternehmung. Bereits wenige Jahre später verkaufte McCoy beide Lichtspielhäuser an einen neuen Betreiber. Um dann Bar- und Restaurantbesitzer zu werden, außerdem gründete er in der Stadt nach 1945 mit dem Arzt und Juristen Dr. Sidney D. Redmond eine Trade School für schwarze Kriegsveteranen. Die berufsqualifizierende Fachschule vermittelte praktische Fähigkeiten für verschiedene Berufe und sollte helfen, heimkehrenden Soldaten die Integration ins zivile Berufsleben zu erleichtern. Gleichzeitig vergrößerte McCoy durch Landzukäufe die elterliche Farm auf zuletzt rund 500 Hektar. Verschiedene Quellen erwähnen zudem, dass er neben diversen Immobilien und Grundstücken auch Schürf- beziehungsweise Öl-Bohr-Rechte besaß – irgendwoher kam jedenfalls genug Geld rein. Als die Familie vom Ku-KluxKlan bedroht wird, hört er auf Umso konkreter bekannt ist, dass McCoy seinen wirtschaftlichen Erfolg früh zur finanziellen Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung in Jackson nutzte. 1954 wurde er sogar Präsident der Mississippi-Sektion der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), einer der ältesten und einflussreichsten Organisationen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. In eben diesem Jahr errang die NAACP einen historischen juristischen Sieg, indem sie vor dem Obersten Gerichtshof die Klarstellung erwirkte, dass die Rassentrennung im Schulsystem verfassungswidrig sei. Gegen große Widerstände in der Zivilbevölkerung versuchte die NAACP in der Folge, diese sogenannte BrownEntscheidung im Bundesstaat Mississippi auch durchzusetzen, also die Rassentrennung zu lockern. Für seinen Aktivismus erhielt McCoy wiederholt Morddrohungen und wurde vom Ku-Klux-Klan auf die „Three Most Wanted“-Liste gesetzt. Nachdem die beiden ebenfalls in Mississippi engagierten Bürgerrechtler auf dieser Liste, Medgar Evers und George Lee, ermordet und er selbst – und seine Familie – massiv bedroht wurden, trat McCoy schließlich als lokaler NAACP-Präsident zurück. Sein humanitäres Engagement dagegen setzte er unvermindert fort, leitete einen Spendenfonds, war Mitglied im Aufsichtsgremium seines ehemaligen Colleges in Tougaloo, wo zahlreiche gesellschaftliche und politische Foren stattfanden, sowie engagiertes Mitglied der afroamerikanischen Studentenverbindung Alpha Phi Alpha. Parallel praktizierte McCoy bis zu seinem Tod 1970 in der Farish Street – auf eben jenem Grundstück, auf dem später das nach ihm benannte Verwaltungsgebäude stehen sollte. mg zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1507) Das „Dr. A. H. McCoy Federal Building“ in Jackson war 1984 das erste der rund 7.200 Bundesgebäude und Bundesgerichte in den USA, das den Namen eines Afroamerikaners trug. Der markante, geschwungene Eingangspavillon aus Glas entstand erst bei umfassenden Modernisierungsarbeiten, die 2013 fertiggestellt wurden. ZAHNMEDIZIN SCHREIBT GESCHICHTE(N) Sie kennen die Geschichte der Zahnmedizin? Dann lassen Sie sich überraschen! Denn in zm-History geht es nicht um die Meilensteine in Forschung und Lehre – in unserer neuen Reihe erinnern wir an Zahnärztinnen und Zahnärzte, deren einzigartige Storys es um die Welt geschafft haben und die heute trotzdem niemand mehr kennt.

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