76 | PRAXIS FINANZHYGIENE IN DER ZAHNARZTPRAXIS Wie Sie mit dem Praxisgewinn Ihr Privatvermögen aufbauen Marcel Nehlsen, Bernhard Fuchs Selbst gut gehende Zahnarztpraxen klagen über Liquiditätsengpässe, Unsicherheiten im Zusammenhang mit Steuerzahlungen oder das Gefühl, dass sich der betriebliche Erfolg nicht in gleichem Maße im privaten Vermögensaufbau widerspiegelt. Der Schlüssel liegt in der Finanzorganisation des Praxisinhabers. Denn die Ursachen hierfür liegen häufig nicht in einer unzureichenden Rentabilität der Praxis, sondern vielmehr in einer fehlenden Strukturierung der finanziellen Abläufe. Während Qualitätsmanagement, Hygienekonzepte oder Personalprozesse in den meisten Praxen klar definierten Regeln folgen, werden private Finanzentscheidungen oftmals situativ und ohne übergeordnetes System getroffen. Dabei verdient die finanzielle Organisation des Praxisinhabers mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie die wirtschaftliche Steuerung der Praxis selbst. Denn die Frage, ob eine Praxis erfolgreich arbeitet, beantwortet die betriebswirtschaftliche Auswertung. Die Frage, ob dieser Erfolg langfristig zu finanzieller Stabilität, Planungssicherheit und Vermögensaufbau führt, entscheidet sich hingegen auf einer anderen Ebene. Genau hier setzt das Konzept der Finanzhygiene an. In früheren Ausgaben haben wir dargestellt, wie die betriebswirtschaftliche Auswertung als Instrument zur Steuerung der Praxis genutzt werden kann. Die BWA beantwortet jedoch lediglich die Frage, welcher Gewinn innerhalb eines bestimmten Zeitraums erwirtschaftet wurde. Sie trifft keine Aussage darüber, wie mit diesem Gewinn anschließend umgegangen wird. Gerade hier bestehen aber erhebliche Unterschiede. Nicht selten finden sich Praxen mit nahezu identischen Umsätzen und Gewinnen, deren Inhaber sich dennoch in einer völlig anderen Vermögenssituation befinden. Während der eine Praxisinhaber über ausreichende Liquiditätsreserven, eine strukturierte Altersvorsorge und einen kontinuierlichen Vermögensaufbau verfügt, kämpft der andere trotz vergleichbarer Ertragskraft regelmäßig mit finanziellen Engpässen. Der Unterschied liegt häufig nicht in der Höhe des Einkommens, sondern in der Qualität der finanziellen Organisation. Finanzielle Abläufe brauchen klare Strukturen Viele Praxisinhaber steuern ihre privaten Finanzen noch immer über den aktuellen Kontostand. Solange ausreichend Liquidität vorhanden ist, werden Ausgaben getätigt, Investitionen vorgenommen oder private Entnahmen erhöht. Dieses Vorgehen funktioniert in wirtschaftlich guten Jahren oft problemlos, führt aber spätestens bei größeren Investitionen, unerwarteten Steuerzahlungen oder anderen Belastungen zu Unsicherheiten. Eine nachhaltige Finanzhygiene verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. Ziel ist, die wesentlichen finanziellen Entscheidungen möglichst frühzeitig zu treffen und anschließend durch feste Strukturen und automatisierte Prozesse umzusetzen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jeden Euro zu kontrollieren oder die finanzielle Flexibilität einzuschränken. Vielmehr soll sichergestellt werden, dass alle relevanten Verpflichtungen berücksichtigt werden, bevor Mittel für Konsum oder spontane Ausgaben zur Verfügung stehen. Bevor über Vermögensaufbau, Kapitalanlagen oder größere private InvestiDie finanzielle Organisation des Inhabers verdient mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie die wirtschaftliche Steuerung der Praxis selbst. Sie ist der Schlüssel beim Aufbau von Privatvermögen. zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1510) Foto: James-stock.adobe.com
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=