Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

PRAXIS | 77 tionen nachgedacht wird, sollten die wesentlichen Bausteine der persönlichen Absicherung dauerhaft stehen. Hierzu zählen insbesondere die Beiträge zum Versorgungswerk, die private Krankenversicherung, eventuell eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie gegebenenfalls Risikolebensversicherungen oder bestehende kapitalbildende Vorsorgeverträge. In vielen Praxen hat es sich bewährt, diese Zahlungen unmittelbar aus den laufenden Praxiseinnahmen vom Praxiskonto zu bedienen. Dadurch wird verhindert, dass langfristige Vorsorgeentscheidungen mit kurzfristigen Konsumwünschen konkurrieren. Gleichzeitig besteht Transparenz darüber, welche finanziellen Verpflichtungen bereits dauerhaft berücksichtigt sind. Das Steuerkonto ist vielleicht der wichtigste Baustein Kaum ein Thema sorgt bei Praxisinhabern für mehr Unmut als unerwartete Steuernachzahlungen. Dabei liegt das eigentliche Problem meist nicht in der Höhe der Steuer, sondern in der fehlenden Vorbereitung auf deren Fälligkeit. Häufig orientieren sich Praxisinhaber ausschließlich an den aktuell festgesetzten Einkommensteuervorauszahlungen. Dieses Vorgehen birgt erhebliche Risiken. Die Vorauszahlungen basieren regelmäßig auf den Ergebnissen vergangener Jahre und bilden die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung nur zeitverzögert ab. Steigen die Gewinne zum Beispiel durch wegfallende Abschreibungen, erhöht sich die tatsächliche Steuerbelastung schneller als die laufenden Vorauszahlungen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, ein separates Steuerkonto einzurichten, auf das monatlich jene Beträge überwiesen werden, die voraussichtlich zur Begleichung der tatsächlichen Steuerbelastung des laufenden Jahres erforderlich sein werden. Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Beträgt die voraussichtliche Einkommensteuerbelastung eines Jahres 120.000 Euro, sollten monatlich 10.000 Euro auf das Steuerkonto überwiesen werden. Nach Ablauf des ersten Quartals befinden sich somit 30.000 zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1511) MACHEN SIE DEN TEST: WIE AUSGEPRÄGT IST IHRE FINANZHYGIENE? Diese Checkliste dient der ersten Einschätzung Ihrer eigenen finanziellen Organisation. Für jede Frage, die Sie uneingeschränkt mit „ja“ beantworten, erhalten Sie ein Punkt. Liquiditäts- und Steuerplanung Ich besitze ein separates Konto zur Bildung von Steuerrücklagen. Die monatlichen Zuführungen auf dieses Konto orientieren sich an der voraussichtlichen Steuerbelastung des laufenden Jahres und nicht ausschließlich an den aktuell festgesetzten Vorauszahlungen. Einkommensteuervorauszahlungen und Steuernachzahlungen begleiche ich ausschließlich aus den dafür gebildeten Rücklagen. Die Praxis verfügt über durchschnittliche Liquiditätsreserven in Höhe der 1,5-fachen laufenden Fixkosten, um kurzfristige Belastungen, Investitionen oder Umsatzschwankungen aufzufangen. Trennung von Praxis und Privat Für private Ausgaben gibt es eine feste monatliche Privatentnahme. Die Höhe dieser Privatentnahme basiert auf einer systematischen Ermittlung des tatsächlichen privaten Finanzbedarfs. Die Privatentnahme wird nicht spontan angepasst, wenn auf dem Praxiskonto mehr Geld verfügbar ist. Praxis- und Privatfinanzen sind organisatorisch klar voneinander getrennt. Vorsorge und Vermögensaufbau Beiträge für Versorgungswerk, private Krankenversicherung und sonstige wesentliche Vorsorgeaufwendungen werden vom Praxiskonto abgeführt oder sind im Dauerauftrag auf das Privatkonto enthalten. Für größere private Ausgaben oder unvorhergesehene Belastungen bestehen ausreichende private Rücklagen, unabhängig vom Praxiskonto. Der private Vermögensaufbau erfolgt über feste und automatisierte Spar- oder Anlageprozesse. Die monatlichen Beiträge zum Vermögensaufbau sind mir bekannt und Bestandteil der persönlichen Finanzplanung. Finanzierung und Zukunftssicherung Bestehende Finanzierungen wurden innerhalb der vergangenen zwei Jahre kritisch überprüft. Die persönliche Vermögenssituation einschließlich Darlehen, Kapitalanlagen und Vorsorgeverträgen ist jederzeit transparent. Für die Zeit nach der aktiven Berufsausübung existiert eine konkrete Vermögens- und Ruhestandsstrategie. Auswertung 0 bis 5 Punkte: deutlicher Handlungsbedarf Die finanzielle Organisation weist wesentliche Schwachstellen auf. Insbesondere bei Steuerrücklagen, Liquiditätsreserven oder der Trennung von Praxis- und Privatbereich sollten Sie bestehende Strukturen überprüfen. 6 bis 10 Punkte: solide Basis Wichtige Elemente einer guten Finanzhygiene sind bereits vorhanden. Gleichzeitig bestehen noch einzelne Bereiche, in denen eine stärkere Strukturierung zu mehr Planungssicherheit und Vermögensaufbau führen kann. 11 bis 13 Punkte: gut aufgestellt Die wesentlichen Bausteine einer professionellen Finanzorganisation sind etabliert. Liquidität, Steuern und Vermögensaufbau werden aktiv gesteuert und folgen klaren Strukturen. 14 bis 15 Punkte: vorbildliche Finanzhygiene Die finanziellen Abläufe sind weitgehend systematisiert. Entscheidungen erfolgen auf Grundlage langfristiger Ziele und nicht aufgrund kurzfristiger Kontostände. Chapeau: Die Voraussetzungen dafür, dass sich der wirtschaftliche Erfolg der Praxis nachhaltig im privaten Vermögen widerspiegelt, sind in hohem Maße gegeben.

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