34 | TITEL Körpersprache und Mimik, Gestik und Blickkontakt? Wie drückt sich jemand aus? Und letztendlich: Was geben die Kleidung und der Duft für einen Gesamteindruck? Der Anfang hat laut Handrock zwei Aufgaben: eine tragfähige Gesprächsbeziehung herstellen und die Rollen klären. Er sollte freundlich sein, jedoch ohne Small Talk, der für viele eine Herausforderung sei und manchmal zur heimlichen Eignungsprüfung mutiere. Ein geeigneter möglicher Einstieg könnte sein: „Schön, dass Sie da sind. Ich bin Frau X und leite die Praxis; Frau Y wäre Ihre unmittelbare Ansprechpartnerin im Alltag, deshalb habe ich sie gebeten, jetzt hier dabei zu sein. Wir haben ungefähr eine Stunde vorgesehen. Zuerst beschreiben wir die Stelle, dann fragen wir nach einigen konkreten Arbeitssituationen. Anschließend ist Zeit für Ihre Fragen zur Behandlung, zum Team, zu den Arbeitsbedingungen und zum Entgelt. Ich mache mir zwischendurch Stichworte, damit wir hinterher eine möglichst sachliche Auswertung machen können. Sie können gerne jederzeit nachfragen oder sich Zeit zum Nachdenken nehmen.“ Danach, rät die Expertin, sollten Sie die Stelle kurz und konkret beschreiben, ohne dabei schon das ideale Antwortverhalten vorzugeben. Anschließend kommen die Fragen an den Bewerber. Eine erste Frage könnte lauten: „Welche Ihrer bisherigen Aufgaben bereitet Ihnen besonders Freude und welche möchten Sie fachlich weiterentwickeln?“ Eine solche Frage sei zugänglich und führe zugleich zu konkreten beruflichen Beispielen. Für weniger ideal hält Handrock eine völlig offene Aufforderung wie „Erzählen Sie mal alles über sich“. Diese zwinge die Bewerber, zunächst zu erraten, welche Länge, Themen und Details erwünscht seien. Ebenso wenig sollte mit einer provokanten Frage begonnen werden, um die „Stressfestigkeit“ zu testen. „Damit misst man zunächst die Reaktion auf eine künstlich erzeugte soziale Bedrohung.“ 4. Priorisierung Was sind relevante und weniger relevante Fragen? Generell sollte man die Fragen zu den oben genannten Punkten sinnvoll ausformulieren. „Welche Fragen darüber hinaus relevanter und welche nebensächlicher sind, ist abhängig davon, was die Hauptzielkriterien sowohl von der Praxis als auch vom Bewerber sind. Deswegen kann man das inhaltlich nicht so ganz allgemein sagen“, erläutert Handrock. zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1660) MEINE ERFAHRUNGEN IN BEWERBUNGSGESPRÄCHEN – KU64 „Ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch muss nicht perfekt sein“ „Bei rund 240 Mitarbeitenden an vier Standorten und regelmäßigen Bewerbungs- und Ausbildungsgesprächen haben wir über die Jahre einiges erlebt – von beeindruckend vorbereitet bis wirklich skurril. Manchmal beginnt die Überraschung gleich beim Lebenslauf. Wir hatten beispielsweise Bewerbungen, in denen private Partyfotos oder Bilder aus einer Shisha-Bar eingebaut waren. Ein anderes Mal wurde uns eine nicht fertiggestellte Bewerbungsvorlage geschickt – inklusive des Hinweises ‚Bitte Namen einfügen‘. Ebenfalls hängengeblieben ist eine besonders kurze Begegnung: Ein Bewerber kam zum Termin, sah unseren Bewerberbogen, stand wieder auf und ging, bevor das eigentliche Gespräch überhaupt begonnen hatte. Spätestens seitdem Online-Bewerbungsgespräche selbstverständlich geworden sind, gibt es noch eine weitere Kategorie. Ein Vorstellungsgespräch wurde tatsächlich einmal vom Strand aus geführt. Grundsätzlich sind wir sehr offen und unkompliziert – aber auch bei einem digitalen Gespräch sollte erkennbar sein, dass der Termin eine gewisse Bedeutung für den Bewerber hat. Und dann gibt es noch Situationen, für die es vermutlich keinen Recruiting-Leitfaden gibt: Wir hatten auch schon Bewerber, die während des Gesprächs sehr offensiv mit dem Recruiter geflirtet haben. Da muss man freundlich bleiben und das Gespräch wieder auf die berufliche Ebene zurückholen. Zum Glück gibt es mindestens genauso viele Bewerber, die uns ausgesprochen positiv überraschen. Besonders beeindruckt hat mich ein Bewerber für einen Ausbildungsplatz, der bereits alle erforderlichen Berichte vorbereitet und geschrieben hatte. Das zeigt: Da hat sich jemand wirklich mit der Ausbildung beschäftigt und wollte nicht einfach nur irgendeinen Ausbildungsplatz. Sehr positiv fällt auch Eigeninitiative auf: Ein Bewerber hat von sich aus vorgeschlagen, eine ganze Woche bei uns zu hospitieren. So etwas sagt enorm viel über die Motivation aus. Jemand möchte den Beruf, das Team und den Praxisalltag wirklich kennenlernen – und gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, ihn als Menschen zu erleben. Die wichtigste Erkenntnis für uns: Ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch muss nicht perfekt oder einstudiert sein. Im Gegenteil – Authentizität, echtes Interesse und eine gute Vorbereitung sind meist viel überzeugender als auswendig gelernte Antworten. Gerade in einer Zahnarztpraxis spielt außerdem die Persönlichkeit eine enorme Rolle. Sein fachliches Wissen kann man weiterentwickeln – Zuverlässigkeit, Empathie, Teamfähigkeit und echtes Interesse an Menschen lassen sich deutlich schwerer trainieren. Wir versuchen deshalb, Bewerbungsgespräche nicht als Prüfung zu verstehen, sie sind ein gegenseitiges Kennenlernen. Der Bewerber muss zu uns passen – aber genauso wichtig ist, dass wir als Arbeitgeber zu ihm passen.“ Adrianna Targatz, HR-Managerin bei KU64 – Die Zahnspezialisten Foto: KU64
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