ZAHNMEDIZIN | 53 lich fehleranfälliger. An dieser Schnittstelle eröffnet die digitale Unterlagengewinnung einen Paradigmenwechsel: Nicht die vollständige Behandlung „wie am Behandlungsstuhl“, sondern die standardisierte mobile Datenerhebung wird zum ersten und entscheidenden Schritt der Versorgungskette. Intraoralscanner (IOS) können dabei als digitale Abformungseinheit fungieren: Sie ermöglichen eine berührungsarme Erfassung der intraoralen Situation sowie – in geeigneten Workflows – die Dokumentation von Prothesen- und Kieferrelationen. Der Systemvorteil liegt im End-to-end-Workflow: Datenerhebung am Ort der Pflege, anschließend sichere Datenübertragung, zentrale Behandlungsplanung und zahntechnische Fertigung, gefolgt von gezielten Terminen zur Anprobe und Eingliederung. Wissenschaftlich ist eine differenzierte Einordnung erforderlich: Systematische Übersichten zur Genauigkeit intraoraler Scans bei vollständig zahnlosen Kiefern berichten eine heterogene Evidenzlage und weisen darauf hin, dass digitale Abformungen per IOS in vivo konventionelle Abformungen derzeit nicht generell ersetzen können – insbesondere in peripheren Bereichen mit beweglichen Weichgeweben [Wang et al., 2024]. Dennoch können in der Praxis Intraoralscanner bei Beachtung ihrer geräte- und softwarespezifischen Limitationen durchaus erfolgreich für die Datenerhebung und das Monitoring der Gebisssituation eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund präsentiert dieser Beitrag ein praxisnahes, qualitätsgesichertes Konzept für die mobile totalprothetische Datengewinnung mittels IOS. Workflow 1 – Mit Prothese Zielsetzung und Grundprinzip: Bei vorhandenen Totalprothesen kann der bestehende Zahnersatz als funktionelles Referenzobjekt genutzt werden. Er dient als Träger klinisch relevanter Parameter wie vertikale Dimension, Okklusionsebene, Mittellinie, Lachlinie und Weichgewebsunterstützung (Lippen-/Wangenstütze). Der mobile Termin fokussiert daher auf eine strukturierte Datenerhebung; Planung und Fertigung erfolgen anschließend zentral im Dentallabor. Ein solcher Ansatz wird in digitalen TotalprothetikProtokollen und Konsensuspapieren explizit beschrieben, sofern die Prothese stabil und reproduzierbar einsetzbar ist. Indikation und Voraussetzungen: Die Verwendung einer vorhandenen Prothese kann der beste Weg für mobile Einsätze sein. Voraussetzung ist, dass mindestens eine tragfähige Prothese vorhanden ist und der Patient mit ihr in eine reproduzierbare Kieferrelation finden kann. Besonders vorteilhaft erscheint die Möglichkeit einer Kopieprothese in Fällen, bei denen aufgrund des Allgemeinzustands (zum Beispiel bei Demenzerkrankungen) von einer reduzierten Adaption an einen neuen Zahnersatz ausgegangen werden muss. Bei deutlich insuffizienter Retention oder stark variabler Schlussbewegung bleibt ihre Verwendung als Referenz hilfreich, die Indikation für ein Tryin und/oder ergänzende konventionelle Fertigungsschritte besteht dann allerdings. zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1679) Prof. Dr. Jeremias Hey Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik Magdeburger Str. 16, 06114 Halle (Saale) Foto: privat ZTM Frank Poerschke Zahntechnikermeister, Digitale Anwendungstechnik mit Schwerpunkt „Digitale Totalprothetik“, Merz Dental GmbH Kieferweg 1, 24321 Lütjenburg Foto: privat 2007–2012: Zahnmedizinstudium an der MLU HalleWittenberg 2013–2017: Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Universitätspoliklink für Zahnärztliche Prothetik der MLU 2014: Promotion 2017: Spezialistin für Zahnärztliche Prothetik (DGPro), M.Sc. Prothetik (Greifswald), Funktionsoberärztin in der Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik (MLU) 2021: Habilitation und Lehrbefugnis für das Fach Zahnärztliche Prothetik (MLU) 2022: Kommissarische Direktorin der Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik (MLU) seit 2023: Oberärztin an der Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Alterszahnmedizin 2024: Spezialistin für Seniorenzahnmedizin (DGAZ), Leiterin Sektion Alterszahnmedizin (MLU) PD Dr. Ramona Schweyen, M.Sc. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik Magdeburger Str. 16, 06114 Halle (Saale) ramona.schweyen@uk-halle.de Foto: privat CME AUF ZM-ONLINE Von der Datenerhebung bis zur digitalen Fertigung: Totalprothetik im mobilen Einsatz Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.
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