70 | ZAHNMEDIZIN orale Scan überlagert, bevor die endgültige Unterkieferlage und damit die Form der Ramuskomponente festgelegt werden [Movahed et al., 2013; Sembronio et al., 2021; Baciu et al., 2026]. Dasselbe gilt für digital geplante konfektionierte Prothesen: Schablonen übertragen die Lage der Fossa und des aufsteigenden Astes, der intraorale Scan liefert die Zielokklusion [Del Castillo Pardo de Vera et al., 2024]. Die Umsetzung ist im Mittel messbar genau. Sembronio et al. fanden für individuell gefertigte Kiefergelenkendoprothesen mit VSP und Schablonen (Abbildung 9) eine weitgehende Übereinstimmung zwischen der geplanten und der postoperativen Situation [Sembronio et al., 2019]. Mian und Mitarbeiter untersuchten 40 individuelle Prothesen mit dem Ergebnis, dass die Unterkieferkomponente im Mittel 0,4 mm weiter anterior und kranial lag sowie um 2,4 Grad nach posterior rotiert war. Die Grenzen der Übereinstimmung waren mit -5,9 bis +5,4 mm allerdings weit, so dass die gute mittlere Genauigkeit nicht über die Streuung im Einzelfall hinwegtäuschen sollte [Mian et al., 2021]. Für die patientenspezifische Groningen-Prothese lag die mittlere räumliche Abweichung bei elf Patienten bei 1,07 mm [Merema et al., 2021]. Fünfjahresdaten zu additiv gefertigten individuellen Prothesen bei 49 Patienten zeigten eine stabile Okklusion, eine knöcherne Integration sowie einen Funktionsgewinn [Xu et al., 2025]. Eine intraoperative Navigation und eine dreidimensionale Bildgebung im zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1696) FALLBEISPIEL 2 Isolierter totaler alloplastischer Gelenkersatz Bei einer 58-jährigen Patientin lag nach mehreren Voroperationen ein endgradig destruiertes, nahezu immobiles rechtes Kiefergelenk vor. Typisch war die schmerzhafte Endstrecke der eingeschränkten Mundöffnung mit einer Schneidekantendistanz von unter einem Zentimeter. Ein konfektioniertes System mit digital geplanten Schablonen kann in solchen Fällen ausreichen, sofern die Restanatomie eine Passung zulässt. Bei Resorption, nach Entfernung einer früheren Prothese oder bei ungleicher Fossa ist die individuelle Konstruktion das sicherere Werkzeug; sie wurde hier auch gewählt. Nach der Planung mittels Dünnschicht-CT und überlagertem intraoralem Scan (Abbildung 10) wurde die Prothese inseriert (Abbildung 11). Bereits unmittelbar postoperativ zeigte sich eine Mundöffnung mit einer Schneidekantendistanz von etwa drei Zentimetern, die über eine Nachbeobachtungszeit von zwei Jahren stabil blieb. Abb. 10: CT- und IOS-basierte Planung mit festgelegter Okklusion (10a), geplanter Resektion (10b) und zu inserierender Kiefergelenkendoprothese (10c) (Planung: Heimes & Kämmerer; Software und Herstellung: KLS Martin Group) Fotos: Heimes & Kämmerer Abb. 11: Intraoperativer Situs nach der Resektion des Kondylus unter Nutzung einer Säge- und Bohrschablone für die FossaKomponente (11a), der Insertion der Fossa-Komponente (11b) und des abschließenden Einbringens der kompletten Prothese (11c) (Operation: Heimes & Kämmerer) a a c c b b
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