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106, Nr. 24 A, 16.12.2016, (1528)
B
Deutscher Zahnärztetag in Frankfurt 2016
Wissenschaftspreise für herausragende
Leistungen in der Zahnmedizin
Im Rahmen des Wissenschaftlichen Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt
am Main wurden in diesem Jahr die bedeutendsten Forschungspreise der Deutschen
Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) verliehen.
Dental Education Award
Den mit 7.000 Euro dotierten
1. Preis des Dental Education
Award der Kurt-Kaltenbach-
Stiftung sicherten sich in diesem
Jahr Dr. Seven-Olav Pabel, Prof.
Annette Wiegand und Xenia
Schulz aus dem Universitätsklini-
kum Heidelberg, Poliklinik für
Zahnärztliche Prothetik mit ihrer
Arbeit „Auswirkungen des diffe-
renziellen Lehr- und Lernansatzes
auf den Prüfungserfolg im
Phantomkurs der Zahnerhal-
tungskunde“. Sie hatten für die
Studenten in dem Kurs Bedin-
gungen geschaffen, die das
manuelle Arbeiten in der Bewe-
gung erschwert. So banden Sie
zum Beispiel Hände der Behand-
ler fest oder ließen sie mit Hand-
schuhen arbeiten. Ziel dieses
Procedere war, eine manuelle
Ritualisierung zu schaffen, die
anschließend im normalen
Arbeitsalltag die einzelnen Bewe-
gungsabläufe vereinfacht und so
schneller ins Unterbewusstsein
verlagert.
Der zweite Preis in diesem Wett-
bewerb der Lehrforschenden war
mit 4.000 Euro dotiert. Er ging an
Dr. Antonio Ciardo, PD Dr.
Susanne Gerhadt-Szép, Prof. Dr.
Stefan Rüttermann und Dr.
Andreas Möltner mit ihrer Analy-
se über die „Studentische Selbst-
einschätzung eigener Kompe-
tenzen im Phantomkurs der
Zahnerhaltungskunde“.
Dental Ethics Preis
Dr. Bernd Oppermann (Hildes-
heim) hat den 1. Dental Ethics
Preis für seine Arbeit „Informed
Consent in der Zahnheilkunde“
erhalten. Prof. Dominik Groß
(RWTH Aachen University) über-
reichte als Vorsitzender des AK
Ethik der DGZMK die mit 1.500
Euro dotierte Auszeichnung.
Der Begriff „Informed Consent“
beschreibt im Zusammenhang
mit einer medizinischen Behand-
lung die von Information und
Aufklärung getragene Einwilli-
gung des Patienten in Eingriffe
und andere medizinische Maß-
nahmen. Aufgrund des Persön-
lichkeits- und Selbstbestim-
mungsrechts dürfen nur solche
Behandlungen durchgeführt
werden, denen der Patient zuge-
stimmt hat. Behandlungen, die
ohne seine wirksame Einwilli-
gung erfolgt sind, können zu
Ersatzansprüchen gegen den
Behandelnden führen.
Millerpreis
Nicht jedes Jahr wird die renom-
mierteste Auszeichnung, die die
DGZMK zu vergeben hat, verlie-
hen.
In diesem Jahr jedoch wurde der
Deutsche Millerpreis wieder ver-
liehen, und zwar an die Heidel-
berger Privatdozentin Dr. Amelie
Bäumer für ihre Arbeit „Langzeit-
ergebnisse bei aggressiver Paro-
dontitis“.
Die Implantologin und Parodon-
tologin hatte Patienten, die an ei-
ner aggressiven Parodontitis er-
krankt waren, therapiert und
über zehn Jahre begleitet.
Bäumer konnte in ihrer Arbeit
zeigen, dass die aggressive Paro-
dontitis bei umfangreicher Be-
handlung nicht zwangsweise
zum Zahnverlust führen muss:
Mit einer Zahnverlustrate von
0,13 Zähnen/Patient/Jahr und
einer 10-Jahres-Überlebensrate
von 94,8 Prozent tritt laut Unter-
suchung Zahnverlust insgesamt
selten bei Patienten mit agressi-
ver Parodontitis auf und unter-
scheidet sich nicht von Zahnver-
lusten bei Patienten mit ChP.
Mehr als 50 Prozent der Proban-
den erlitten keinen Zahnverlust
und nur wenige verloren mehr
als drei Zähne. Zahnverlust tritt
laut der Untersuchung vor allem
bei sogenannten Hochrisiko-
patienten auf. Faktoren dafür
sind niedriger Ausbildungsstand,
Alter und Abwesenheit des
IL-1-Polymorphismus.
Der mit 10.000 Euro dotierte
Millerpreis gilt als die höchste
Auszeichnung der deutschen
zahnmedizinischenWissenschaft.
Millerpreisträgerin PD Dr. Amelie Bäumer
Foto: Spillner
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Zahnmedizin