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106, Nr. 24 A, 16.12.2016, (1499)
B
um für Ernährung und Landwirtschaft,
2014]. Zweck des Hinweises ist, der Entste-
hung von Fluorosen keinen Vorschub zu
leisten.
Fluorose:
Bereits um 1900 wurde in überlie-
ferten Berichten über das endemische Auf-
treten von geflecktem Zahnschmelz in
Neapel oder Colorado Springs [„Colorado
brown stain“; Gülzow 1995, National Insti-
tute of Dental and Craniofacial Research,
undatiert] informiert. Erste Studien zur
Ermittlung der Ursache des gefleckten
Schmelzes wiesen bereits auf Trinkwasser
mit hohen Anteilen von Fluorid in diesen
Gebieten hin. Zugleich fiel aber auch auf,
dass in Gebieten mit hohem Fluoridgehalt
des Trinkwassers eine niedrigere Kariesprä-
valenz zu beobachten war [Gülzow, 1995;
National Institute of Dental and Craniofacial
Research, undatiert].
Diese beiden Beobachtungen waren Anlass
zu der „21 Städte-Studie“ von Dean. Im
Ergebnis dieser in mehreren Publikationen
veröffentlichten Untersuchungen wurden
deutliche Zusammenhänge zwischen stei-
gendem Fluoridgehalt des Trinkwassers
sowie abnehmender Kariesprävalenz bei
zugleich zunehmender Fluoroseprävalenz
gefunden [Dean, 1938; Dean et al., 1941;
Dean et al., 1942].
Optimaler Fluoridgehalt:
Diese Kenntnis
führte zur Formulierung eines „optimalen
Fluoridgehaltes“ von 1 ppm Fluorid im
Trinkwasser, um bei möglichst geringer
Karieslast zugleich möglichst wenig Fluoro-
sen zu erhalten [National Institute of Dental
and Craniofacial Research, undatiert].
Dieser Empfehlung folgend wurde seither in
den USA in großem Umfang die Trinkwas-
serfluoridierung mit einem Anheben des
natürlichen Fluoridgehaltes auf 1 ppm
durchgeführt.
2015 wurde eine neue Empfehlung mit
einem Fluoridgehalt von 0,7 ppm ausge-
sprochen [U.S. Department of Health & Hu-
man Services, 2015], die den überwiegend
lokalen Wirkungsmechanismus von Fluorid
und die in den vergangenen Jahrzehnten
erheblich gestiegene Verfügbarkeit fluorid-
haltiger Zahnpflegeprodukte berücksich-
tigt.
Fluorid-Stoffwechsel
Die Stoffwechselwege von Fluorid im
menschlichen Organismus sind gut doku-
mentiert. Generell wird im menschlichen
Serum und im Plasma ein Fluoridspiegel von
0,01 bis 0,025 ppm aufrechterhalten. Nach
der oralen Aufnahme wird Fluorid aus was-
serlöslichen, gut dissoziierenden Verbindun-
gen schnell und fast vollständig im Gas-
trointestinaltrakt resorbiert [Rugg-Gunn et
al., 2011]. Weniger gut lösliche Verbindun-
gen (wie Kalziumfluorid) werden verzögert
und in geringerem Maße resorbiert.
Nach der Einnahme von 1 mg Fluorid
kommt es zu einem raschen Anstieg der
Plasmakonzentration auf rund 0,05 ppm;
diese Maximalkonzentration wird nach et-
wa 30 Minuten erreicht. Anschließend wird
das Fluorid aus dem Plasma eliminiert; nach
etwa drei bis sechs Stunden ist der Aus-
gangslevel wieder erreicht [Rugg-Gunn et
al., 2011]. Die Eliminierung erfolgt zum
übergroßen Teil durch die Nieren [Buzalaf
und Whitford, 2011]. Etwa jeweils ein Pro-
zent der aufgenommenen Fluoridmenge
wird über die Speicheldrüsen und die
Schweißdrüsen ausgeschieden. Der Fluorid-
eliminierung über den Speichel wurde eine
gewisse Bedeutung für die Kariesprävention
zugebilligt. Diese Bedeutung kann heute
jedoch in Abwägung der geringen hier aus-
geschiedenen Menge und in Kenntnis der
konzentrationsabhängigen karieshemmen-
den Wirkung von Fluorid lokal an der Zahn-
oberfläche nicht mehr angeführt werden.
Die Nieren können beim Erwachsenen die
vollständige Ausscheidung von bis zu etwa
10 mg Fluorid pro Tag bewältigen. Im Hin-
tergrund der ausgeglichenen Fluoridbilanz
(im Saldo wird die gesamte aufgenommene
Fluoridmenge wieder ausgeschieden) findet
jedoch stets ein Austausch von rund 36 Pro-
zent der aufgenommenen Fluoridmenge
zwischen dem Plasma und dem Skelett-
system statt [Buzalaf und Whitford, 2011].
Bei Kindern ist die Fluoridbilanz infolge des
Körperwachstums positiv, das heißt, es ver-
bleibt ein beträchtlicher Teil des aufgenom-
menen Fluorids im Körper. Es findet bei
dieser positiven Fluoridbilanz eine Retention
von etwa 55 Prozent des aufgenommenen
Fluorids in Knochen und Zähnen statt. Die
Retention ist physiologisch und dient dem
Knochenwachstum sowie der Zahnbildung.
Hauptsächlich ist Fluorid im Körper im
Skelettsystem anzufinden, in dem nahezu
99 Prozent des gesamten Körperfluorids ge-
speichert sind [Buzalaf und Whitford, 2011].
Von Bedeutung als Medium, über das die
Verteilung des Fluorids in die Zielorgane er-
folgt, ist das Plasma. Die Verteilung in die
Weichgewebe ist jedoch nicht gleichmäßig.
Im Verhältnis zur Plasma-Fluoridkonzentrati-
on werden vierfach höhere Konzentrationen
in der Niere gefunden. Im Gehirn macht die
Konzentration hingegen nur rund 10 Pro-
zent der Plasmakonzentration aus [Buzalaf
und Whitford, 2011].
Toxizität
Bezüglich der Toxikologie von Fluorid liegt
eine überwältigende Menge wissenschaftli-
Die Deklaration auf der Mineralwasserflasche
sagt deutlich, dass dieses Wasser sich zum
Beispiel nicht zur Zubereitung von Kinder-
breien oder von Flaschennahrung eignet.
Foto: Schiffner
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