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106, Nr. 24 A, 16.12.2016, (1505)
B
danach die herkömmliche Wurzelkanalfül-
lung möglich wird [Vijayran, Chaudhary et
al., 2013]. Das Erzeugen eines apikalen MTA
Plugs stellt hierbei eine Alternative zur klassi-
schen Apexifikation mit Kalziumhydroxid
dar [Tabrizizade, Asadi et al., 2014].
Die Verwendung des bakteriziden Kalzium-
hydroxids wurde bereits recht früh inaugu-
riert. Durch seinen alkalischen pH Wert soll
es der Bildung einer apikalen Hartsubstanz-
barriere dienlich sein [Binnie and Mitchell,
1973]. Mineral Trioxid Aggregat (MTA) ist
hier eine neue Möglichkeit, devitale Zähne
mit nicht abgeschlossenem Wurzellängen-
wachstum zu versorgen, wobei die Patien-
tencompliance nachrangig wird. Eine Ver-
sorgung in zwei Terminen innerhalb von
zwei Wochen wird hierdurch möglich
[Giuliani, Baccetti et al., 2002; Kumar,
Zameer et al., 2014]. Der Zeitvorteil unter
Verwendung des MTA erscheint weiterhin
dadurch Bedeutung zu gewinnen, dass eine
zeitnahe koronoapikale Füllung möglich
wird. Das Frakturrisiko wird dadurch im
Unterschied zur langdauernden Erzeugung
einer Hartsubstanzbarriere mit Kalziumhy-
droxid evident reduziert [Bonte, Beslot et
al., 2015], wobei die Verschlussfähigkeit von
MTA als positiv zu bewerten ist [Tabrizizade,
Asadi et al., 2014].
Neben Calciumhydroxid und MTA wurde in
der Literatur die Verwendung von alloge-
nem Knochen und Schmelzmatrixproteinen
vorgeschlagen, konnte aber bisher keine
breitenwirksame Anwendung finden
[Razavian, Haerian et al. 2014]. Allgemein
anerkannte Materialien in der Durchfüh-
rung einer Apexifikation bleiben allerdings
weiterhin Kalziumhydroxid und MTA [Tate,
2012].
Im Unterschied zur herkömmlichen Wurzel-
kanalbehandlung stellt die Behandlung des
Zahnes mit nicht abgeschlossenem Wurzel-
wachstum und offenem Foramen apicale
eine endodontische Therapieherausforde-
rung dar. Eine kontrollierte Wurzelkanalfül-
lung mit Kondensation gegen eine beste-
hende apikale Hartsubstanzbarriere ist nicht
möglich [Vijayran, Chaudhary et al., 2013].
Im hiesigen Fall bestand die Besonderheit
aber zusätzlich darin, dass bereits eine zu
revidierende Wurzelkanalfüllung vorlag und
eine substanzopfernde Präparation des
Zahnes zur Aufnahme einer Vollkrone
durchgeführt wurde.
Behandlungsablauf und Prognose ließen
sich nur schwierig einstufen. Sicherlich wäre
im kassenzahnärztlichen Ablauf eine Extrak-
tion des Zahnes Therapie der Wahl gewe-
sen.
Neuere Materialien auf Mineraltrioxidbasis
sowie neue Erkenntnisse in der Endodontie
lassen den Zahnerhalt auch in solch ungüns-
tigen Situationen möglich werden. Die
Apexifikation und die Endorevision bleiben
allerdings Behandlungen mit unsicherer
Prognose, gerade wenn eine Kombination
aus beiden Behandlungen notwendig wird.
Das geringe Ausmaß an klinischer Restzahn-
hartsubstanz ist prothetisch beherrschbar,
das geringe Ausmaß an Wurzeldentin um
den breiten Wurzelkanal endodontisch
bewältigbar. Es birgt allerdings die ständige
Gefahr einer Wurzelfraktur. Wenngleich die
Prognose des Zahnes fraglich erscheinen
mag, so stellt der Zahn im Sinne einer
präimplantologischen Alveolarfortsatzpro-
phylaxe einen planungstechnischen Zeit-
vorteil dar und so erscheint seine Erhaltung
also nicht nur deswegen gerechtfertigt.
Alternative therapeutische Vorgehen wären
die Extraktion mit prothetischem Ersatz, ent-
weder implantat- oder zahngetragen, die
Apexifikation mit alternativen vorwiegend
Kalziumhydroxid basierten Materialien
sowie die Revaskularisationstherapie gewe-
sen. Das schlichte Belassen der asymptoma-
tischen Situation mit ständiger Infektionsge-
fahr stellt eine weitere, wenn auch nicht
sinnvolle therapeutische Alternative dar.
Max Lukas
Univ.-Prof. Dr. Brita Willershausen
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg
Universität Mainz
Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und
Parodontologie
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
max-lukas@hotmail.deAbbildung 2: Ausgangsaufnahme (links), Aufnahme zur Kontrolle des MTA-Plugs (Mitte), Kontrollaufnahme nach erfolgter thermoplastischer Kanal-
obstruktion (rechts)
Alle Fotos: Lukas
Die Literaturliste kann auf
www.zm-online.deabgerufen oder in der Redaktion angefordert
werden.
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