

zm
106, Nr. 24 A, 16.12.2016, (1517)
B
gang dieser Studie ist mit einer Zulassung
von Andexanet alfa als Antidot für alle Fak-
tor-Xa-Inhibitoren zu rechnen.
Antiresorptive Substanzen:
Zu den soge-
nannten antiresorptiven Substanzen zählen
vor allem die Bisphosphonate (in 2015 eine
Meldung zu Zoledronat: chronische Vereite-
rung im zahnlosen Kiefer durch Druckstelle)
und der IgG2-anti-RANKL-Antikörper Deno-
sumab (in 2015 zwei Meldungen: Kiefer-
knochennekrosen und Wundheilungsstö-
rungen). Diese Substanz blockiert das auf
den knochenabbauenden Osteoklasten sit-
zende „Knochenprotein“ RANKL (receptor
activator of nuclear factor kappa B ligand),
wodurch das Startsignal für den Knochen-
abbau deaktiviert wird.
Für die hauptsächlich bei Osteoporose so-
wie in der Onkologie zur Skelettstabilisation
eingesetzten antiresorptiven Substanzen
wie Bisphosphonaten und Denosumab ist
das Auftreten von Kiefernekrosen als uner-
wünschte Arzneimittelwirkung inzwischen
gut bekannt. Die wichtigste Präventivmaß-
nahme besteht daher vor Ansetzen dieser
Substanzen in einer zahnärztlichen Unter-
suchung und in der Durchführung geeigne-
ter zahnmedizinischer Vorsorgemaßnahmen.
Außerdem sollten invasive zahnärztliche
Eingriffe bei Patienten, die intravenös
Bisphosphonate oder Denosumab erhalten
oder erhalten haben, nach Möglichkeit ver-
mieden werden. Bezüglich des zahnärztlichen
Umgangs mit Kieferosteonekrosen sei an
dieser Stelle auf die ausgezeichnete AWMF-
S3-Leitlinie 007/091 von Grötz, Piesold,
Al-Nawas et al. verwiesen, deren Gültigkeit
kürzlich bis zum 14.4.2017 verlängert
wurde [Grötz et al., 2012].
Organbezogenheit
der Nebenwirkungen
Im Jahr 2015 manifestierten sich mit 36 Pro-
zent die meisten der gemeldeten uner-
wünschten Arzneimittelwirkungen an Haut
und Schleimhäuten, meist in Form allergi-
scher Exantheme, Urtikaria, Schwellungen,
Juckreiz und Ödemen. Mit 22 Prozent am
zweithäufigsten manifestierten sich UAWs
am beziehungsweise im Gastrointestinal-
trakt in Form von Übelkeit und Diarrhoe
(Abbildung 3). Beeinträchtigungen des
Gastrointestinaltrakts wurden hauptsächlich
im Zusammenhang mit Antibiotikatherapie
und hier insbesondere unter Behandlung
mit Clindamycin beobachtet. In zwei Fällen
wurde im Jahr 2015 das Auftreten pseudo-
membranöser Kolitiden gemeldet. Über
ZNS-Störungen wurde 2015 immer noch
in 16 Prozent der Fälle berichtet, wobei
diese am häufigsten im Zusammenhang
mit Lokalanästhetika beziehungsweise anti-
biotischer Therapie beschrieben wurden.
Unerwünschte Herz-Kreislauf-Effekte mach-
ten mit einen Anteil von zwölf Prozent am
Gesamtanteil aller UAW-Meldungen den
viertgrößten Anteil aus, wobei Kreislauf-
probleme öfter im Zusammenhang mit der
Anwendung von Antibiotika gesehen wur-
den und am ehesten im Zusammenhang
mit therapiebedingten Durchfällen und
entsprechenden Flüssigkeitsverlusten zu
interpretieren sind.
Fazit
Auch im Jahr 2015 verursachte die Wirk-
stoffgruppe der Antibiotika – nicht unerwar-
tet – wiederum mit Abstand am häufigsten
eine UAW-Meldung an die Arzneimittel-
kommission Zahnärzte. Die gemeldeten
Nebenwirkungen waren insgesamt meist
leicht bis mittelgradig ausgeprägt. Schwere
Verläufe waren nur sehr selten zu verzeich-
nen. Insgesamt ist zu beobachten, dass sich
das jährlich von Zahnärzten berichtete Ne-
benwirkungsspektrum über die Jahre immer
mehr angleicht und kaum noch variiert. Eine
neue Herausforderung für die Zahn- und
Oralmedizin ist in der Entwicklung und
zunehmenden Verbreitung der NOAKs zu
sehen, die zunehmend auch in der AKZ-
Meldestatistik zu verzeichnen sind und den
Zahnarzt und MKG-Chirurgen bei invasiven
Eingriffen vor neue Herausforderungen stellen
werden.
Prof. Dr. med. Christoph Schindler
Clinical Research Center Hannover
MHH CRC Core Facility
Medizinische Hochschule Hannover
Feodor-Lynen-Straße 15
30625 Hannover
Schindler.Christoph@mh-hannover.deDr. med. dent. Jens Nagaba
Bundeszahnärztekammer
Chausseestraße 13
10115 Berlin
Prof. Dr. med. Ralf Stahlmann
Charité Universitätsmedizin Berlin
Institut für Klinische Pharmakologie und
Toxikologie
Luisenstraße 7
10117 Berlin
Die Literaturliste kann auf
www.zm-online.deabgerufen oder in der Redaktion angefordert
werden.
Foto: dima-pics - Fotolia.com
Hier finden Sie eine
tabellarische Zusam-
menstellung der
UAW-Meldungen.
Die UAWs im Einzelnen
ZM
-
ONLINE
:
QR
-
CODE
16688
51