Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

ZAHNÄRZTLICHE MITTEILUNGEN | WWW.ZM-ONLINE.DE Die Forschung ausbauen Erhöht der Süßstoff Erythrit das Risiko für Herzinfarkt & Co.? Welche Folgen hat der Einsatz in der zahnärztlichen Prophylaxe? Die neuesten Erkenntnisse lesen Sie hier! SEITE 30 Die Welle brechen In den USA nimmt die Opioidkrise immer verheerendere Ausmaße an. Jetzt soll eine Zwangsschulung für Zahnärzte die Verschreibungspraxis regulieren. SEITE 56 Die Heuschrecken stoppen Ein KZBV-Analyse zeigt, dass sich die iMVZ in der vertragszahnärztlichen Versorgung weiter mit hoher Dynamik ausbreiten. Das hat seinen Preis. SEITE 12 ZAHNMEDIZINSTUDIUM 2023 Hart ohne fair? AUSGABE 10 | 2023 zm 16.05.2023, Nr. 10

EDITORIAL | 3 Es geht um die Zukunft und Leser, ist also für den Erfolg der Kampagne ausschlaggebend. Viel Zeit bleibt nicht, denn der Gesetzgebungszug rollt. Deshalb müssen jetzt die Weichen gestellt werden, damit sich die Budgetierungsambitionen der Regierung nicht verstetigen. Andernfalls wird die Patientenversorgung merklich leiden und die zahnärztliche Tätigkeit zunehmend unattraktiv – womit wir wieder bei den motivierten Berufseinsteigern wären. Es kann ja nicht das Ziel sein, dass die Zahnmedizinstudierenden ihr Studium hinschmeißen, weil die beruflichen Aussichten stetig düsterer werden. In der nächsten Ausgabe werden wir ausführlich über die Kampagne berichten. Bis dahin werden Sie von der KZBV und den KZVen informiert. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur Die Umfrage lässt aufhorchen. Das Studierendenparlament (StuPa) hat deutschlandweit Zahnmedizinstudierende zu ihrem Studium befragt. Rund 14 Prozent der Zahnmedizinstudierenden haben teilgenommen. Die Antworten werfen in Teilen ein ziemlich schlechtes Licht auf das Studium. Altgediente Zahnärztinnen und Zahnärzte haben jetzt schnell den Spruch auf den Lippen: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre." Etwas, was die Studierenden auch gerne zu hören bekommen. Klar, in seiner Ausbildung muss man sich manchmal durchbeißen und nicht alles macht Freude – das tut es später im Beruf ja auch nicht. Wenn aber fast die Hälfte derer, die an der Befragung teilgenommen haben, angeben, dass sie schon über den Abbruch des Studiums nachgedacht haben, sollte das ein Warnsignal sein. Ebenso, dass ein Viertel angegeben hat, schon einmal Medikamente wie Ritalin genommen zu haben, um mit dem Studium klarzukommen. Das sind keine guten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium und einen guten Start ins Berufsleben. Als Gründe gaben knapp zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, dass sie zu wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten während des Studiums haben. Nur 15,9 Prozent haben das Gefühl, ihr Potenzial im Studium ausschöpfen zu können. Ungerechtigkeiten bei Bewertungen sind ein anderes großes Thema, ebenso die fehlenden Anlaufstellen für den Fall einer Beschwerde. Die Verantwortlichen in den Hochschulen sollten dieses Stimmungsbild ernst nehmen und versuchen, gemeinsam mit den Studierenden nach Lösungsansätzen zu suchen. Sich zurückzulehnen und zu sagen, das war schon immer so, sollte keine Option sein. Wir brauchen Zahnärztinnen und Zahnärzte, die nach einem erfolgreichen Studium motiviert ins Berufsleben starten. In unserer Titelgeschichte befassen wir uns ausführlich mit dem Thema. Um die künftige Ausgestaltung des Berufslebens geht es in einer groß angelegten Kampagne der KZBV und der KZVen, die Ende Mai starten wird. Ziel der Kampagne ist es, vor allem die Patientinnen und Patienten über die Konsequenzen der Kostendämpfungspolitik von Bundesgesundheitsminister Lauterbach aufzuklären und dazu zu bewegen, sich an die verantwortlichen Regional- und Bundespolitiker zu wenden. Die GKV-Versicherten sollen über die fatalen Folgen dieser Gesundheitspolitik für ihre Versorgung informiert werden. Im Mittelpunkt wird dabei die vor knapp zwei Jahren etablierte Parodontitistherapie stehen, die – bei aller gelegentlich zu hörenden Kritik –sicherlich ein Meilenstein in den Präventionsbemühungen der deutschen Zahnmedizin darstellt. Um das Pulver nicht frühzeitig zu verschießen, können zu diesem Zeitpunkt die konkreten Maßnahmen noch nicht genannt werden. Dreh- und Angelpunkt werden aber dabei die Zahnarztpraxen sein. Ihre Mitarbeit, liebe Leserinnen Foto: Lopata/axentis

4 | INHALT 16 Sonderausstellung im Dentalmuseum in Zschadraß Prunkstück der neuen Ausstellung ist ein Instrumentenschrank aus dem Jahr 1897 36&48 Fortbildung „Dentales Trauma“ – Teile 2 und 3 Endodontische und restaurative Aspekte Inhalt Foto:zm-sr Foto: Merlind Becker zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (798) MEINUNG 3 Editorial 6 Leitartikel 8 Leserforum POLITIK 12 KZBV-Analyse zu iMVZ Dynamische Entwicklung von Investoren setzt sich fort 58 Die Weltgesundheitsorganisation fordert Europa muss mehr für die Mundgesundheit tun ZAHNMEDIZIN 27 Aus der Wissenschaft Mythen im Bereich Dentin-Bonding – eine evidenzbasierte Perspektive 30 Studie aus den USA Welche Risiken birgt Erythrit? 36 Fortbildung „Dentales Trauma“ – Teil 2 Endodontische Aspekte 48 Fortbildung „Dentales Trauma“ – Teil 3 Restaurative Aspekte 66 MKG-Chirurgie Das Numb Chin Syndrome – ein möglicher Kolibri im klinischen Alltag 78 MKG-Chirurgie Benigne nicht-odontogene Kieferhöhlenzysten TITELSTORY 18 Umfrage an deutschen Hochschulen Schlechte Noten für das Zahnmedizinstudium PRAXIS 24 Interview mit Prof. Dr. Diana Wolff „Wir haben diesen Weg nicht gewählt, um Studierende zu quälen“ 70 Rechtliche Bedingungen für das Ausfallhonorar Was tun bei No Shows?

INHALT | 5 70 Geplatzte Termine Was kann man tun bei No Shows? Rechtliche Bedingungen für das Ausfallhonorar TITELSTORY 18 Umfrage unter Zahnmedizinstudierenden Unfaire Bewertungen, ein rauer Umgangston und Dauerstress – wie hart ist das Zahnmedizinstudium heute? Foto: Katarzyna Bialasiewicz photographee.eu Foto: ag visuell-stock.adobe.com zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (799) 74 Studie zum Datenschutz bei Videosprechstunden Manche Anbieter speichern auf Ewigkeit 76 Zi-Umfrage Digitalisierung im Praxisalltag – teuer, zeitraubend, fehleranfällig GESELLSCHAFT 16 DGZMK-Arbeitskreis besucht Dentalmuseum in Zschadraß „Es gibt nichts Vergleichbares“ 34 Medscape-Umfrage Fehlverhalten von Ärztinnen und Ärzten ist weit verbreitet 56 Academy of General Dentistry Zwangsschulung für Zahnärzte soll Opioidwelle in den USA brechen 64 Schweizer Studie zur Belastung am Arbeitsplatz Gestresste Menschen tippen anders 82 Aufruhr im National Health Service Ärztestreiks verschärfen Gesundheitskrise in Großbritannien MARKT 88 Neuheiten RUBRIKEN 61 Formular 62 Termine 72 Nachrichten 84 Bekanntmachungen 87 Impressum 106 Zu guter Letzt

Die Schlagzeile macht einen erst einmal nachdenklich: „Praxisübernahme durch Investor: ein Drittel der Ärzte wäre interessiert“ – so lautet die Überschrift über einer neuen Studie der Stiftung Gesundheit. Haben wir also selbst Schuld an der Misere um die Investoren-MVZ, die sich seit der Gesetzesänderung 2015 mit atemberaubender Geschwindigkeit über das Land verteilen? Wenn man in die Studie einsteigt, zeigt sich allerdings, dass „nur“ 14,8 Prozent der befragten Praxen überhaupt schon einmal ein Angebot eines Investors vorliegen hatten. Alle anderen waren offenbar nicht geeignet, die Wünsche der Investoren zu befriedigen, sei es mangels Größe oder ausreichender Gewinnmargen. Von den Ärztinnen und Ärzten, die bereits ein Angebot bekommen haben, zeigt sich gut ein Drittel aufgeschlossen für eine Praxisübernahme durch Investoren, aber nur 8,5 Prozent haben das ihnen vorgelegte Angebot angenommen.Offenbar wirken das Kleingedruckte, das einen meist für viele Jahre als Angestellter an den Investor fesselt, und häufig auch die abzugebenden Umsatz- oder gar Gewinngarantien ziemlich abschreckend. Manche, die gut rechnen können, fragen sich, warum sie noch drei, vier oder fünf Jahre unter verschärften Bedingungen in ihrer eigenen Praxis stramm arbeiten sollen, um in dieser Zeit die Rendite des Investors zu erwirtschaften, die ansonsten in die eigene Tasche geflossen wäre. Insgesamt hat damit erst ein Prozent der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte ihre Praxis bereits an einen Investor verkauft. Das hört sich nach wenig an. Wenn man aber sieht, mit welcher Dynamik die iMVZ sich in den letzten Jahren ausgebreitet haben, und man bedenkt, dass es sich bei den iMVZ fast ausnahmslos um große Strukturen mit vielen angestellten Kolleginnen und Kollegen handelt, kann man sich große Sorgen um die zahnärztliche Versorgung in unserem Land in 10 oder 15 Jahren machen. Rendite schlägt Ethik und indikationsgerechte Zahnmedizin? In diesen Wochen nun erreicht die Gesundheitspolitiker der Ampelparteien in Berlin eine beispiellose Lobbyoffensive der Investoren, die viel Geld in die Hand nehmen, um ihren Geschäften weiter ungestört nachgehen zu können. Verglichen mit den von ihnen erwarteten Renditen sind das allerdings die vielzitierten „Peanuts“ – dennoch können wir als zahnärztliche Körperschaften und Verbände da finanziell nicht ansatzweise mithalten und uns weder teure Auftragsgutachten schreiben lassen noch prominente selbsternannte „Experten“ in den Medien platzieren. Besonders die FDP scheint in einer Zerreißprobe zu sein. Ein iMVZ-kritischer Antrag der Bundesfachkommission Gesundheit wurde aus Zeitmangel beim Bundesparteitag nicht mehr diskutiert und liegt jetzt beim Bundesvorstand um Christian Lindner, der sich dieses Thema sicherlich ungefähr so herbeigewünscht hat wie eine Sommergrippe. Nun muss die FDP Farbe bekennen und dürfte sich schwer damit tun, den Praxen mit ihrem Personal – darunter viele FDPWähler – in den Rücken zu fallen, auch wenn der Wirtschaftsflügel es mit den Investoren hält. Es erstaunt ohnehin, dass die Politik so naiv ist, den Versprechungen von Private Equity & Co. zu glauben, dass es amerikanischen oder arabischen Investoren ein Herzensanliegen ist, die Work-Life-Balance der jungen in iMVZ tätigen Kolleginnen und Kollegen in Deutschland zu fördern und unsere Patienten mit herausragender Zahnmedizin zu beglücken. Egal, wie die Politik entscheidet, eines machtHoffnung. Ein frustrierter, in einem iMVZ tätiger junger Kollege sagte mir: „Ich glaube, die erledigen sich irgendwann von selbst, denn lange hält es da keiner aus. Ich war mit 18 Monaten – von den 'Oberärzten' abgesehen – der dienstälteste Zahnarzt dort. Das Ganze hat keine Zukunft.“ Ichhoffe, der Kollege behält recht. Besser wäre allerdings, die Politik bereitet dem Spuk ein schnelles Ende, ohne sich von den Lobby-Millionen der Investoren beeindrucken und umstimmen zu lassen. Unser Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach hat Dezember 2022 das „letzte schöne Weihnachten für die Investoren“ angekündigt. Ich hoffe, er hält Wort. Konstantin von Laffert Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Lesen Sie mehr zum Thema iMVZ auf S. 12. Lauterbach muss jetzt liefern! 6 | LEITARTIKEL

www.alpha-bio.net/de MultiNeO™ ist nicht nur besonders günstig – es bietet zudem Qualität und Sicherheit auf höchstem Niveau. Und dazu volle Flexibilität, weil es einzeln bestellt werden kann und immer komplett einsatzbereit geliefert wird. Einfach in der Anwendung, einfach überzeugend, einfach erfolgreich – deshalb (S)implantology statt Implantology. Mehr Informationen und Bestellmöglichkeitenfinden Sie hier: https://alpha-bio.net/de/multineo/ Sie können natürlich auch unseren Kundenservice unter0221 50085590 anrufen oder eine Mail senden anorder.germany@nobelbiocare.com Wir freuen uns einfach auf Sie. (S)mart (S)implantology statt Implantology. MultiNeO™ von Alpha-Bio Tec. 89€ je Implantat inklusive Deckschraube je Implantat inklusive

zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (802) Leserforum Herr Rubehn kommentiert in seinem Leserbrief die aktuelle Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie) vor dem Hintergrund der Auswirkungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes. Die Erfahrung, dass in der Medizin, insbesondere im Kontext einer solidarisch finanzierten Medizin, Ethik und wirtschaftliche Interessen nicht immer komplett in Deckung gebracht werden können, ist für uns alle alltäglich. Es war ein großartiger Erfolg, dass es der KZBV gelungen ist, mit dem GKV-SV eine Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen auszuhandeln und im G-BA zu verabschieden, die aktuellen wissenschaftlichen Standards gerecht wird und Anreize für die Therapie von Parodontitis setzt. Und ja, es war das Ziel, dass mehr Parodontitisfälle in Deutschland behandelt werden als unter den Rahmenbedingungen der alten Richtlinie. Deshalb war von vornherein klar, dass für die Parodontitistherapie mehr ausgegeben werden würde. Und ja, es gibt eine „Paro-Epidemie“! Den Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) zufolge litt in Deutschland 2015 jeder zehnte Bewohner an einer behandlungsbedürftigen schweren Parodontalerkrankung. Das waren gut acht Millionen Menschen. Es geht also nicht nur um Sondierungstiefen von 4 mm. Der Schwellenwert für schwere Parodontalerkrankungen liegt bei 6 mm. Was heißt „die Paro-Fälle schießen ins Kraut“? Wahr ist: Es gibt viel behandlungsbedürftige Parodontitis in Deutschland. Und ja, dieses Feld war bisher eher stiefmütterlich bearbeitet worden, denn nur etwa eine Million systematische Parodontalbehandlungen wurden bisher jedes Jahr über die GKV abgerechnet. Nur für die schweren Fälle hätten die deutschen Zahnärzte bei dieser Schlagzahl acht Jahre benötigt, um diese Erkrankungslast abzuarbeiten. Dabei sind die moderaten Fälle und Neuerkrankungen nicht berücksichtigt. All das ist seit Jahren und Jahrzehnten bekannt und war einer der Gründe, eine neue PAR-Richtlinie PARODONTITISTHERAPIE Sind die neuen PAR-Verträge Ausdruck paternalistischer Gesundheitspolitik? Zum Leserbrief „Ethische und wirtschaftliche Aspekte konkurrieren“ in zm 8/2023, S. 8, zum Thema Parodontitistherapie in der GKV. Foto: ©Federico Rostagno - stock.adobe.com

BRILLIANTEverGlow® Nehmen Sie einfach drei oder mehr – ganz nach Bedarf info.de@coltene.com | everglow.coltene.com Ò Daily Business? Drei Farben genügen für einfach gute Ergebnisse Ò Knifflige Frontzahnsituation? Das modulare Farbsystem trifft immer den richtigen Ton Ò Tempo-Fans oder Farb-Künstler? Mit BRILLIANT EverGlow gelingen immer effiziente und ästhetische Restaurationen 006981 09.21

10 | LESERFORUM zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (804) auszuhandeln. Der damalige KZBV-Vorsitzende Wolfgang Eßer hat es 2013 mutig öffentlich geäußert: „Wir haben die Parodontitis nicht im Griff. Wir können unseren Versorgungsauftrag nicht erfüllen.“ Und ja, es ist ein Skandal, wenn jetzt nach der SARS-CoV-2-Pandemie angesichts leerer GKV-Kassen die Regierung zum höchst unoriginellen Instrument der Budgetierung greift und die Anreize für mehr Therapie der Volksseuche Parodontitis nach zwei Jahren jäh zunichte macht. Dies ist aber kein Fehler der neuen PAR-Richtlinie, sondern eine Folge der Pandemie und der Einfallslosigkeit des Gesundheitsministeriums. Warum soll eigentlich die Parodontitistherapie budgetiert werden und prothetische Versorgungen nicht? Präventionsorientierte Zahnheilkunde oder was? Natürlich hat Kollege Rubehn recht, wenn er kritisiert, dass „jede kleine Tasche von Ohr zu Ohr mit 4 mm Tiefe vermessen wird“. Wer Parodontitis behandelt, wo keine ist, handelt so kritikwürdig, wie der, der Karies exkaviert, wo keine Karies ist! Aber was hat unethisches Handeln mit der neuen PAR-Richtlinie zu tun? Auch bin ich komplett auf Herrn Rubehns Seite, wenn er fordert, „unnütze Therapien zu vermeiden und für die begrenzten Mittel eine sinnvolle Allokation zuzulassen“. Angesichts der doch ziemlich deutlichen epidemiologischen Datenlage sehe ich aber auch hier keinen Zusammenhang zur PAR-Richtlinie. Eine Therapie wird ja nicht dadurch sinnvoll, dass ich sie nicht durch die GKV, sondern von den Patientinnen und Patienten selbst bezahlen lasse. Partizipation in Zahnmedizin und Medizin meint nicht, dass die Patientin, der Patient die Therapie aus eigener Tasche bezahlt. Ist es tatsächlich ein Glück, dass sich nicht so viele Patienten ausdrücklich „nach einer Paro-Behandlung sehnen“? Sehnen sich mehr Patienten nach Wurzelkanalbehandlungen oder Zahnersatz? Leider wissen viele Patienten zu wenig über Parodontitis und deren auch allgemeinmedizinische Konsequenzen und Parodontitis wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium über Zahnfleischbluten hinaus symptomatisch (Stichwort „stumme Erkrankung“). Das ist ganz bestimmt weder ein Glück für die Patientinnen und Patienten noch für uns Zahnärztinnen und Zahnärzte. Kollege Rubehn gibt uns wertvolle Denkanstöße für den alltäglichen Konflikt von Ethik und Betriebswirtschaft in der zahnärztlichen Praxis. Dafür sei ihm gedankt. Die Volkskrankheit Parodontitis und die neue PAR-Richtlinie sind aber kein gutes Beispiel für diesen Konflikt. Über wie viele Jahre hat die Zahnärzteschaft – zu Recht, aber vergeblich – eine moderne Parodontitistherapie eingefordert. Die Realisierung der neuen PAR-Richtlinie ist von Zahnärztinnen und Zahnärzten in Praxis und Wissenschaft, Patientenvertretern und Politik als Leuchtturmprojekt innovativer Versorgungsverbesserung gefeiert worden. Allerdings ist unser Gesundheitssystem ständig politischen Eingriffen ausgesetzt, die zumeist durch die Kassenlage motiviert sind. Als Berufsstand sollte sich die Zahnärzteschaft der Budgetierung dieser wichtigen Therapiestrecke mit Entschiedenheit widersetzen. Wir sollten dafür kämpfen, dass die Politik die verbindlich zugesagten Mittel für die neue präventionsorientierte Parodontitistherapie freigibt, statt ihr auf den Leim zu gehen und im Nachhinein ein gelungenes Projekt madig zu machen. Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz Poliklinik für Parodontologie Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Die zm-Redaktion ist frei in der Annahme von Leserbriefen und behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch in der digitalen Ausgabe der zm und bei www. zm-online.de zu veröffentlichen. Bitte geben Sie immer Ihren vollen Namen und Ihre Adresse an und senden Sie Ihren Leserbrief an leserbriefe@zm-online.de oder an die Redaktion: Zahnärztliche Mitteilungen, Chausseestr. 13, 10115 Berlin. Anonyme Leserbriefe werden nicht veröffentlicht.

Na klar! Factoring- und Abrechnungsqualität vom Marktführer in der zahnärztlichen Privatliquidation. Maßgeschneiderte Factoringlösungen für alle Praxisarten. Interesse? Kontaktieren Sie uns: 0711 99373-4993 oder kontakt@dzr.de. www.dzr.de Rundum Happy?

12 | POLITIK zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (806) KZBV-ANALYSE ZU IMVZ Dynamische Entwicklung von Investoren setzt sich fort Getrieben vom Verlangen nach zweistelligen Renditen machen sich Private-Equity-Gesellschaften mit hoher Dynamik in der vertragszahnärztlichen Versorgung breit. Welche Folgen das hat, zeigt eine Analyse der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Die KZBV hat diese Entwicklung von Beginn an untersucht und warnt vor den erheblichen Folgen für die Patientenversorgung und das Gesundheitswesen. Die jetzt veröffentlichte Analyse „unterstreicht die besorgniserregende Ausbreitung investorengetragener Medizinischer Versorgungszentren (iMVZ) und verdeutlicht erneut die große Gefahr für die Versorgungsqualität, das Patientenwohl und die Sicherstellung der Versorgung insgesamt, die von diesen Strukturen ausgehen“, teilt die KZBV mit. Zum Stichtag 31. Dezember 2022 hat die KZBV in ihrer Analyse 427 MVZ identifiziert, die versorgungsfremden Investoren zuzuordnen waren (Abbildung 1). Der Anteil der iMVZ am gesamten MVZ-Markt steigt damit kontinuierlich an. Er beläuft sich Ende 2022 auf gut 29 Prozent, Tendenz weiter steigend. Bis zum Ende des ersten Quartals des Jahres 2023 rechnet die KZBV mit einer weiteren Zunahme der MVZ mit Investorenbeteiligung auf etwa 440 MVZ. Aktuell werden die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KZVen) abgefragten Daten gesammelt. Mit einer vollständigen Auswertung wird im Sommer gerechnet. iMVZ versorgen weder das Land noch vulnerable Gruppen, „Unsere aktuelle Analyse belegt anhand klarer Fakten, welch große Bedeutung inzwischen einem konsequenten Handeln der politisch Verantwortlichen zukommt, will man die zunehmend bedrohliche Gefährdung der flächendeckenden zahnärztlichen Versorgung durch vornehmlich renditeorientierte Investoren nicht länger tatenlos mit ansehen“, betonte der KZBV-Vorsitzende Martin Hendges. „Die ärztliche und die zahnärztliche Versorgung dürfen nicht den Prinzipien der Gewinnmaximierung geopfert, vielmehr muss die fortschreitende Vergewerblichung des Gesundheitswesens endlich wirksam gestoppt werden!“ Auffällig ist: Die 427 iMVZ, die sich Ende 2022 in der Hand von Groß- und Finanzinvestoren befanden, verteilen sich fast ausschließlich auf Großstädte und Ballungsräume. So sind 80 Prozent der iMVZ im städtischen Bereich angesiedelt. Genauso deutlich fällt die Konzentration bei der Verteilung der iMVZ nach Medianeinkommen aus: Hier sind 79,6 Prozent aller iMVZ in Regionen zu finden, die ein im Bundesvergleich überdurchschnittliches Medianeinkommen der Bevölkerung aufweisen. Zum Vergleich: Über alle MVZ sind dies 75,8 Prozent. „Kombiniert man beide Aspekte miteinander – Stadt/Land-Verteilung und Medianeinkommen hoch/niedrig – so lässt sich feststellen, dass gerade einmal 10,1 Prozent der iMVZ in ländlichen Bereichen mit niedrigem Medianeinkommen liegen, also in strukturschwachen Gebieten, in denen am ehesten Engpässe und Unterversorgung drohen könnten“, führt die KZBV aus. Umgekehrt liegen 69,6 Prozent aller iMVZ in städtischen Bereichen mit hohem Medianeinkommen. Dabei gelte es den Besonderheiten der zahnärztlichen Versorgung Rechnung zu tragen, fordert Hendges weiter. „Unsere konkreten Vorschläge dazu liegen seit Langem auf dem Tisch: Ein ENTWICKLUNG DER ZUGELASSENEN MEDIZINISCHEN VERSORGUNGSZENTREN IN DEUTSCHLAND MIT UND OHNE FINANZINVESTOREN 0 400 200 600 1.000 800 1.200 1.400 1.600 MVZ mit Finanzinvestor MVZ ohne Finanzinvestor 12/15 12/16 12/17 12/18 12/19 12/20 12/21 12/22 03/23 255 437 588 765 867 938 1.040 427 440 351 234 186 111 47 33 10 1.073 77 Abb.1, Quelle: KZBV-Statistik

KUNSTVOLL S MIT VISALYS® FILL &VISALYS® FLOW UNIVERSELLES NANOHYBRIDFÜLLUNGSKOMPOSIT Visalys® Fill: für langlebige Füllungen Visalys® Flow: für sichere Adaption an den Kavitätenwänden IDENTIUM® FUTAR® PANASIL® SILGINAT® VISALYS® FILL VISALYS® FLOW VISALYS® CEMCORE VISALYS® CORE VISALYS® TEMP NEU Das FLEX SHADE SYSTEMermöglicht effizientes Arbeiten mit nur 7FARBEN für ästhetische Restaurationen

14 | POLITIK zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (808) räumlicher und – das ist wichtig – auch fachlicher Bezug eines Trägerkrankenhauses muss gesetzlich zur Voraussetzung der Gründungsbefugnis eines Krankenhauses von iMVZ gemacht werden. Darüber hinaus ist zur Herstellung erforderlicher Transparenz die Schaffung von iMVZ-Registern und die Verpflichtung für iMVZ-Betreiber, auf Praxisschildern und Websites Angaben über Träger- und Inhaberstrukturen zu machen, dringend erforderlich.“ ... haben die schlechteste Teilzeitquote aller Praxisformen ... Erst kürzlich habe Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigt, den Aufkauf von Praxen durch Investoren einzuschränken zu wollen. Hendges: „Es ist an der Zeit, diesen Worten endlich Taten folgen zu lassen und klare gesetzliche Regelungen zu schaffen!“ Laut KZBV zeigt die iMVZ-Analyse: „ Der Anteil der iMVZ an allen MVZ beläuft sich Ende 2022 bereits auf 29 Prozent – mit Tendenz nach oben. „ iMVZ leisten nach wie vor keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgung in strukturschwachen, ländlichen Gebieten: 80 Prozent siedeln sich im städtischen Bereich an. „ An der Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung im Rahmen der aufsuchenden Versorgung nehmen iMVZ kaum teil. Auch bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit präventiven Leistungen der Individualprophylaxe leisten iMVZ einen deutlich unterdurchschnittlichen Beitrag. „ Eine steigende Zahl von iMVZ konzentriert sich auf nur wenige Inhaber: Die beiden Investoren mit den meisten iMVZ verfügen derzeit über je 82 Standorte. „ iMVZ haben mit nur 33 Prozent die schlechteste Teilzeitquote von allen Praxisformen. Dies widerspricht der häufig von Investoren vorgetragenen Argumentation, iMVZ würden im Gegensatz zu den etablierten Praxisformen und Inhaberstrukturen die Wünsche junger Zahnärztinnen und Zahnärzte nach Anstellung und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser berücksichtigen. Insgesamt konnten zum 31. Dezember 2022 insgesamt 13 Groß- und Finanzinvestorengruppen in der vertragszahnärztlichen Versorgung ausgemacht werden. Davon wurden neun überwiegend als Private-Equity-Gesellschaften und vier als Family-Office-Gesellschaften eingestuft. „Alle 13 Groß- und Finanzinvestoren verfügen bereits über mindestens ein als iMVZ-Träger fungierendes Krankenhaus. Ein Investor verfügt durch erfolgte Übernahmen über zwei Krankenhäuser und konnte somit sein durch das TSVG eingegrenztes, maximal zulässiges Engagement pro Zulassungsbezirk verdoppeln.“ ... und versorgen kaum Pflegebedürftige Den identifizierten Investoren können laut KZBV derzeit insgesamt 427 iMVZ zugeordnet werden. Aufgrund der meist verschachtelten, undurchsichtigen Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen sei es schwierig und nur mit aufwendigen Recherchen möglich, in der vertragszahnärztlichen Versorgung tätige Finanzinvestoren und zugehörige iMVZ zu finden (Abbildung 2). Die KZBV verzeichnet aktuell einen weiteren Einstieg einer Private-EquityInvestmentgesellschaft in die vertragszahnärztliche Versorgung: Es geht um die Investmentgesellschaft Halder aus Frankfurt am Main, die zum Jahreswechsel 2021/2022 das Fachklinikum Mainschleife in Volkach übernommen hat, eine Fachklinik für Orthopädie und Chirurgie mit 40 Betten. „Mit dem Trägerkrankenhaus wird derzeit eine kleinere Facharztkette im Bereich Dermatologie mit 12 Standorten betrieben“, teilt die KZBV mit. Daneben diene das Krankenhaus seit Januar 2023 als Trägergesellschaft für eine MKGPraxis im Saarland – und ein weiteres MVZ sei bereits für den KZV-Bereich in Bayern beantragt. Das komplette Analysepapier können Sie auf der Website der KZBV unter https://www.kzbv.de/z-mvz# oder über den QR-Code abrufen. IM ZAHNÄRZTLICHEN BEREICH TÄTIGE FINANZINVESTOREN NACH ANZAHL IHRER MVZ, STAND: 31.12.2022 - 0 102030405060708090 PAI Partners Investcorp Jakobs Holding AG* Nordic Capital Medicover* Ergon Capital Gimv Brightgiant UG, u.a. Quadriga Capital Castik Capital Johannesbad-Gruppe* Maigaard & Molbech, u.a. Burkhart-Gruppe* * Finanzart Family Office 82 82 77 43 31 25 23 23 14 14 6 4 3 Anzahl Finanzinvestoren-MVZ alle Finanzinvestoren-MVZ = 427 6 Hintergrund: Der Gesetzgeber hat unter Hinweis auf befürchtete negative Auswirkungen der Gründung von iMVZ durch Krankenhäuser bereits 2019 mit dem TSVG erste Maßnahmen zur Sicherung der Anbietervielfalt auf der Ebene des einzelnen Planungsbereichs ergriffen. Die TSVG-Regelung beschränkt hingegen nicht den Versorgungsanteil, der insgesamt auf die Praxisform (i)MVZ in Krankenhausträgerschaft entfällt. Theoretisch ist eine hundertprozentige Abdeckung der zahnärztlichen Versorgung durch (i)MVZ mit Krankenhausgründern möglich, solange jedes einzelne Krankenhaus den gesetzlich eingeräumten Versorgungsanteil nicht überschreitet. Abb. 2, Quelle: KZBV-Statistik mg

TrioCle s progressive Clear Aligner-System PERMADENTAL.DE 0 28 22-71330 permadental PREISBEISPIEL TOUCH-UP für beide Kiefer 18 Aligner pro Kiefer (9 soft und 9 hart) je Set 2 Schienen (Beide Kiefer: bis zu 36 Schienen) *inkl. 2 Refits und 1 Refinement innerhalb 1 Jahres; zzgl. MwSt. und Versand 899,-€* • Nur noch zwei A gner je Behandlungsschritt nötig • Jetzt mit neuem dreischichtigem Schienenmaterial Nutzen Sie die Vorteile eines Komplettanbieters. Das Plus für Ihre Praxis: Als weltweiter Aligner-Anbieter verfügt die Modern Dental Group über die Erfahrung aus vielen Tausend erfolgreich abgeschlossenen Patienten-Fällen. Clear™– das i Alig

16 | GESELLSCHAFT DGZMK-ARBEITSKREIS BESUCHT DENTALMUSEUM IN ZSCHADRASS „Es gibt nichts Vergleichbares!“ Der Arbeitskreis „Geschichte der Zahnheilkunde“ der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat am 29. April das Dentalmuseum im nordsächsischen Zschadraß besucht. Höhepunkte waren eine Scheckübergabe und ein Blick in die neue Sonderausstellung „Zerrissenheit“. Tags zuvor hatte sich der Arbeitskreis bereits zu seiner Frühjahrssitzung in Leipzig getroffen.Mitdem Besuch in Zschadraß wollten sich die Mitglieder über die aktuelle Situation des Museums und insbesondere den Sachstand bei der Aufarbeitung der Sammlung Proskauer/Witt informieren. Den Werdegang der einzigartigen Sammlung begleite der Arbeitskreis seit vielen Jahren intensiv, berichtete Vorstandsmitglied Dr. Gisela Tascher, die gleichzeitig für die Mitarbeit im Arbeitskreis warb. Eine neue Heimat hatte die Sammlung, die viele Jahre in Containern schlummerte, im Herbst 2020 in Zschadraß gefunden (die zm berichteten), wo sie seitdem von Museumsleiter Andreas Haesler und Museologin Andrea Aurig sukzessive aufgearbeitet wird. Sie führten die Mitglieder des Arbeitskreises, die aus ganz Deutschland kamen, durch die Ausstellung und die Archivräume, die auf verschiedene Gebäude des weitläufigen Areals in Zschadraß verteilt sind. Haesler ließ es sich nicht nehmen, den Besuchern die Funktionsweise der Ausstellungsstücke vorzuführen. Er legt besonderen Wert darauf, die Funktionstüchtigkeit der Geräte herzustellen und zu erhalten. „Nur rund ein Prozent der vorhandenen Exponate befindet sich in der Ausstellung“, sagte Haesler. Den Umfang der gesamten Exponate beziffert er auf weit über 500.000. „Es gibt nichts Vergleichbares“, ist der Zahntechnikermeister überzeugt. Allein der Bestand der Museumsbibliothek umfasse inzwischen rund 260.000 Bücher, darunter auch zahlreiche japanische oder russische Fachliteratur. Wie Aurig, deren Stelle mit Mitteln der Spendensammlung Dentales Erbe befristet finanziert wird, berichtet, gehe es jetzt vor allem um die Digitalisierung und Katalogisierung der Exponate. Dadurch soll die Grundlage dafür geschaffen werden, die Sammlung der Nach- und Fachwelt zugänglich zu machen. „Wir wollen international sein“, erklärte Haesler den Anspruch, sprich das Archiv soll auch der Wissenschaft weltweit zugänglich gemacht werden. Dies wird möglich durch den hochmodernen Buch-Scanner, der im vergangenen Herbst angeschafft werden konnte (die zm berichteten). Aurig, selbst gelernte ZFA, demonstrierte die Funktionsweise des Scanners: Die Buchseiten werden per Druckluft umgeblättert. Der Scanner steht zusammen mit den Stücken der Sammlung Proskauer/Witt in einem Haus, dessen Dach und Heizung vor nicht allzu langer Zeit saniert wurden. Höhepunkt des Besuchs des Arbeitskreises war die Übergabe eines Schecks in Höhe von 1.000 Euro durch deren Vorsitzende Dr. Wibke Merten. Haesler freute sich sichtlich über den dritten Scheck, den er bisher erhalten hat. Abschließend konnten die Arbeitskreismitglieder einen ersten Blick in die neue Sonderausstellung des Dentalmuseums werfen. Die Sammlung ist einmalig, die Förderung eine Katastrophe Mit der Sonderausstellung „Zerrissenheit“ will das Dentalmuseum auf seine besondere Situation aufmerksam machen. Einerseits sei dort die „wichtigste Dokumentation für die Zahnheilkunde weltweit“ vorhanden, andererseits sei „die Förderung beziehungsweise wie wir die Ausstellungsstücke präsentieren können, eine Katastrophe“, erläuMuseumsleiter Andreas Haesler (Mitte) erhält vom DGZMK-Arbeitskreis „Geschichte der Zahnheilkunde“ einen Scheck über 1.000 Euro. Foto: zm_sr zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (810)

GESELLSCHAFT | 17 terte Haesler kurz vor der Eröffnungam 1. Mai den Mitgliedern des DGZMKArbeitskreises. In der gemeinsam mit der Museologin Aurig konzipierten Ausstellung werden erstmals wieder Exponate der Sammlung Proskauer/Witt zusammen mit Stücken aus dem Museum gezeigt. Für die Ausstellung habe man sich „im Weglassen geübt". „Wir hätten fünf Museumsräume in ähnlicher Qualität füllen können“, berichtete Haesler. Viele Themen – etwa die Musikerzahnmedizin – habe man gar nicht anschneiden können. Die Sonderausstellung umfasst einzelne Highlights des gesamten Spektrums der zahnärztlichen Behandlung, von Zahnärzten der Antike über mittelalterliche Vorstellungen von Schutzheiligen, allgemeiner Kunst- und Kulturgeschichte bis hin zu militärischem Equipment für eine mobile Zahnbehandlung. Prunkstück ist der für die Ausstellung hergerichtete Instrumenten- und Medizinschrank der Sammlung Proskauer/Witt aus dem Jahr 1897. Möglich wurde die originalgetreue Einrichtung des Schranks nur durch das Zusammenführen von Objekten der Sammlung und des Museums. Der Schrank sei damit ein weltweit einmaliges Zeitzeugnis und stelle den Beginn der Moderne in der Zahnheilkunde dar. Die Sonderausstellung wird bis zum 30. September zu sehen sein. Ein Teil der Ausstellung wird danach aber weiterhin stehen bleiben – darunter der Instrumentenschrank. zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (811) Museologin Andrea Aurig und Museumsleiter Andreas Haesler neben dem Instrumentenschrank aus der Sammlung Proskauer/Witt Foto: zm_sr SPENDEN SIE FÜR DAS DENTALE ERBE! Das Dentalhistorische Museum im sächsischen Zschadraß (DHMZ) ist ein einzigartiger Schatz, der weltweit seinesgleichen sucht. Die riesige Sammlung ist in mehreren historischen Gebäuden einer ehemaligen Lungenklinik untergebracht. Diese Gebäude müssen mit großem Aufwand instandgehalten werden, gleichzeitig muss die Sammlung, zu der immer noch neue Exponate hinzukommen, sukzessive aufgearbeitet werden, um sie der Allgemeinheit und der Fachwelt zugänglich zu machen. All dies verschlingt viel Geld. Die staatliche Förderung ist leider überschaubar. Deshalb ist das Museum auf Spenden angewiesen. Sie können direkt auf folgendes Spendenkonto überweisen: Dentalhistorisches Museum Sparkasse Muldental, Sonderkonto Dentales Erbe DE06 8605 0200 1041 0472 46 Wer Namen und E-Mail-Adresse angibt, bekommt eine Spendenquittung. sr

18 | TITEL UMFRAGE AN DEUTSCHEN HOCHSCHULEN Schlechte Noten für das Zahnmedizinstudium Rauer Umgangston, unfaire Bewertung, Dauerstress – die Liste der Belastungen im Zahnmedizinstudium ist lang, wie die Ergebnisse einer Umfrage des Studierendenparlaments (StuPa) des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte nahelegen. Was genau bedrückt die Zahnis? Zahnmedizinstudierende aus ganz Deutschland berichten von einer hohen psychischen Belastung. Befragungen unter Zahnärztinnen und Zahnärzten zeigen, dass die Belastung auch im Beruf hoch bleibt und ein ernst zu nehmendes Gesundheits- und Berufsrisiko darstellt“, fasst Christoph Austermann, Vorstandsmitglied im StuPa, die Motivation hinter der Umfrage zusammen. Konstantin Schrader, erster Vorsitzender des StuPa, fügt hinzu: „Auf Instagram betreiben wir seit einiger Zeit einen ‚Zahni-Kummerkasten‘. Hier können Kommilitonen und Kommilitoninnen von belastenden Erlebnissen berichten. Die Erzählungen dort sind zum Teil schockierend, aber auch sehr subjektiv. Um zu objektiveren Daten über das Ausmaß der psychischen Belastung während des Zahnmedizinstudiums und deren Ursachen zu kommen, haben wir diese bundesweite Umfrage durchgeführt.“ Rund 14 Prozent aller Zahnmedizinstudierenden in Deutschland machten Gebrauch von dem Angebot. Als Grundlage für den Fragebogen diente dem StuPa ein Leitfaden des Instituts für Leadership und Organisation der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung. Die 2021 veröffentlichten Empfehlungen beschäftigen sich mit der Bedeutung von Resilienz für den erfolgreichen Abschluss eines MINT-Studiengangs und sollen Hochschulen dabei helfen, geeignete Voraussetzungen dafür zu schaffen. Aktiv Einfluss auf die Studiensituation nehmen zu können, ist laut Resilienzforschung entscheidend für den Studienerfolg. Der StuPa-Umfrage zufolge schneidet die Zahnmedizin in diesem Punkt schlecht ab: Nur 19,8 Prozent der Teilnehmenden glauben, Einfluss auf die Gestaltung ihres Studiums, etwa im Rahmen von Evaluationen, zu haben. „Nein“ urteilten 63,4 Prozent. Die Studierenden berichteten vielmehr „von undurchsichtigen Planungen der Stundenpläne, kurzfristigen Ankündigungen von Testaten und willkürlichen Bewertungen ihrer praktischen Leistungen – alles in allem von einem Gefühl der limitierten Selbstwirksamkeit“, heißt es in einer Zusammenfassung der Umfrageergebnisse, die in der monatlich erscheinenden FVDZ-Zeitschrift „Der Freie Zahnarzt“ veröffentlicht wurde. Das Gefühl, ihr Potenzial im Studium voll ausschöpfen zu können, haben laut Umfrage 15,9 Prozent der befragten Zahnis. Fremdbestimmt und mäßig fair Geht es um das Thema Fairness in der zahnärztlichen Ausbildung in Deutschland, fällt die Resonanz durchwachsen aus: Sie sei in der Umfrage durchschnittlich mit der Note 3,43 bewertet worden, schreibt „Der Freie Zahnarzt“ unter Berufung auf das StuPa. Die Frage, ob sie sich aufgrund persönlicher Faktoren schon einmal benachteiligt gefühlt hätten, wurde von 49,6 Prozent der Studierenden mit Migrationshintergrund mit „ja“ beantwortet. Sortiert nach Geschlecht bejahten die Frage 23,1 Prozent der Studenten und 29,9 Prozent der Studentinnen. Die Frage „Wurdest du im Rahmen des Studiums schon mal sexuell belästigt, das heißt auch durch übergriffige Kommentare?“ beantworteten 79 Prozent der Studierenden mit „nein“. Etwa 8,5 Prozent hätten solche Kommentare allerdings schon einmal durch Lehrpersonen erlebt und 8,8 Prozent durch Patienten. Hunderte der Zahnis nutzten die Möglichkeit, per Freitext ihre Erfahrungen an der Uni zu schildern. Bestimmte Themen seien dabei immer wieder aufgegriffen worden, berichtet „Der Freie Zahnarzt“. Dazu gehört, dass sich die anonymisierte Abgabe praktischer Arbeiten zum Semesterende und eine zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (812) STRESS Stressbedingte Symptome der StuPA-Umfrage Teilnehmer Häufigkeit Gereiztheit Antriebslosigkeit Ja Schlafstörungen gestörtes Essverhalten Kopfschmerzen Suizidgedanken 0% 100% 80% 60% 40% 20% keine Angabe 69,0% 65,4 % 64,2 % 46,4% 55,8% 11,7%

TITEL | 19 Alle Hände voll zu tun – und oft unglücklich dabei: In einer aktuellen Umfrage stufen viele angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland die psychische Belastung während des Studiums als sehr hoch ein. Foto: Photographee.eu_stock.adobe.com zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (813) SELBSTWIRKSAMKEIT „Würdest du dich, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, an Vorgesetzte an der Universität wenden um dich zu beschweren?“ / Anteil der Befragten in Prozent Nein 61% Ja 19% Weiß nicht/ keine Angabe 21% „Nein“ F: 61,7% M: 53,1% SELBSTWIRKSAMKEIT Häufigkeit Ja Nein Weiß nicht/ keine Angabe 0% 100% 75% 50% 25% 20,0% 63,5% 16,5% „Hast du den Eindruck, dass Studierende Einfluss auf die Gestaltung des Studiums haben (z. B. durch Berücksichtigung von Evalutationen)?“ Quelle: FVDZ

zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (814) 20 | TITEL Klausureinsicht in allen Fächern an manchen Universitäten noch nicht etabliert hätten. Weiterer Kritikpunkt: „Kommt es zu Differenzen zwischen ihnen und ihren Assistenten, bemängeln viele Studierende in der Umfrage mangelnde Anlaufstellen und Beschwerdemöglichkeiten.“ Nur 18,6 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich bei ungerechter Behandlung an Vorgesetzte wenden würden, knapp 61 Prozent würden dies nach eigener Aussage nicht tun. Männer legen laut der Umfrage deutlich häufiger Beschwerde ein als ihre Kommilitoninnen. Zu groß sei die Furcht vor persönlichen Konsequenzen in einem zahlenmäßig so überschaubaren Studiengang. StuPa-Vorstandsmitglied Austermann: „Das Arbeitsklima an vielen Hochschulen lässt zu wünschen übrig und könnte verbessert werden.“ Schrader bestätigt: „Wenn wir das Thema Stress und Druck ansprechen, hören wir von älteren Kolleginnen und Kollegen noch oft die Reaktion: ‚Die Situation war schon immer so. Da mussten wir alle durch.‘ Oder: ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre.‘ Aber solche Sprüche sind aus unserer Sicht einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir finden: Wer Respekt erwartet, muss auch respektvoll mit anderen umgehen. Das gilt gerade in der Lehre.“ Viele schilderten einen rauen Umgangston und Schikane. In etwa einem Drittel der eingegangenen 500 Erfahrungsberichte sei dieses Problem zur Sprache gebracht worden. „Viele Studierende berichten, sich besonders von Assistentinnen und Assistenten nicht ernst genommen und teils auch nicht respektiert zu fühlen. Die Lehrkultur wird sehr verschieden beschrieben. Häufig wird jedoch auf wenig Lob hingewiesen und darauf, dass die Studierenden angeben, sehr auf sich gestellt zu sein“, heißt es in „Der Freie Zahnarzt“ unter Verweis auf eine vorangegangene StuPa-Befragung aus dem Sommer 2022. Dort hatten 51,7 Prozent der 637 befragten Zahnmedizinstudierenden aus ganz Deutschland angegeben, im Studium bereits von einer Lehrperson angeschrien oder beleidigt worden zu sein. Als respektvoll hatte damals lediglich ein Fünftel (20,9 Prozent) der Teilnehmenden den Umgang des Lehrkörpers mit den Studierenden bezeichnet. Gereizt, antriebslos und müde Die StuPa-Umfrage brachte noch eine Zahl zutage, die aufhorchen lässt: So haben 46,8 Prozent der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland nach eigenen Angaben schon einmal ernsthaft SELBSTWIRKSAMKEIT „Gibt es an deiner Universität Lehrangebote, wie mit Druck/Stress/Misserfolgen umgegangen werden kann?“ / Anteil der Befragten in Prozent Weiß nicht 54,3% Ja 17,9% Nein 27,8% STUDIENBEDINGUNGEN: WAS BRINGT DIE NEUE ZAPPRO? Die am 1. Oktober 2020 in Kraft getretene Novelle der Zahnärztlichen Approbationsordnung (ZApprO) sollte hier Abhilfe schaffen. So haben Studierende laut neuer ZApprO die Möglichkeit, sich in Wahlfächern auch Inhalte anzueignen, die über zahnmedizinische Themen hinausgehen, etwa aus den Bereichen Psychologie, Psychosomatik oder Neurologie. Die Idee dahinter: Angehende ZahnärztInnen sollen sich Kompetenzen aneignen, die sie für die fordernde Berufsausübung stärken. Die Umfrage des StuPa fragte gezielt nach dem Vorhandensein entsprechenden Angeboten: „Gibt es an deiner Universität Lehrangebote, wie mit Druck, Stress und Misserfolgen umgegangen werden kann?“ Dies beantworteten nur 18,2 Prozent der Teilnehmenden mit „ja“. „Nein“, antworteten 27,5 Prozent und rund 54 Prozent wussten es nicht.“ Das StuPa fordert vor diesem Hintergrund: „Obwohl es Präventionsangebote gibt, sind diese bei den Studierenden wenig bekannt und sollten daher gezielt beworben werden, um ihre Zielgruppen zu erreichen.“ In der ZApprO vorgesehen sind darüber hinaus klinische Behandlungskurse in kleineren Gruppen unter Aufsicht der ausbildenden Lehrkraft. Studierende sollten so intensiver betreut werden und in kürzerer Zeit deutlich mehr praktische Erfahrungen sammeln können. Quelle: FVDZ STRUKTURELLE BELASTUNGEN Zeitaufwand für das Studium in Stunden pro Woche / Anteil der Befragten in Prozent 50+ Std. 28,2% 40-50 Std. 34,4% 30-40 Std. 22,7% „Als wie stressig empfindest Du Dein Studium?“ / Anteil der Befragten in Prozent 32,2% 66,0% 2% Überdurchschnittlich stressig stressig Vgl. Wissel & Jöhren 2012: 25 % der ZÄ arbeiten über 40h/Woche wenig/kein Stress

DAS NEUE ZAHN-IMPLANTAT VON MEDENTIS MEDICAL. LIQUID SERVICE-TEL.: 02641 9110-0 · BE SMART. BE ICX. WECHSELN SIE ODER RUFEN SIE UNS AN– WIR NENNEN IHNEN CHIRURGEN IN IHRER NÄHE! ENTDECKEN SIE DENICX-UNTERSCHIED VÖLLIG NEU. DER NEUE ICX-GOLD-STANDARD VON MEDENTIS MEDICAL. Mehr Infos zu ICX-DIAMOND im ICX-Shop!

22 | TITEL zm113 Nr. 10, 16.05.2023, (816) den Abbruch ihres Studiums in Erwägung gezogen. Um dem standzuhalten, was im Studium erwartet wird, greifen mancheoffenbar zu Medikamenten: So gab ein Viertel der Befragten zu, schon einmal chemische Hilfsmittel eingenommen zu haben, etwa das aufmerksamkeitssteigernde Mittel Ritalin oder Schlafmittel. „Etwa je zwei Drittel der Studierenden erleben stressbedingte Symptome wie Gereiztheit, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen“, zitiert Austermann aus der Studie. Der Burn-out beginnt schon im Studium Gezielt auf ihre psychische Gesundheit angesprochen, räumten 52 Prozent der Studierenden ein, von ihrem Umfeld bereits besorgt auf ihre mentale Gesundheit angesprochen worden zu sein. Aufgrund von Problemen im Studium in psychologischer Behandlung befinden sich nach eigenen Angaben 12,5 Prozent der Studierenden, die den Fragebogen des StuPa ausgefüllt haben. Um genauere Daten über das Ausmaß der Belastungen durch Stress und Druck im Studium zu erheben, enthielt die StuPa-Umfrage eine umfassende Burn-out-Analyse. Darin waren die Studierenden aufgefordert, häufig auf sie zutreffende Antworten auszuwählen und anzukreuzen. Hier eine kleine Auswahl der Ergebnisse, die diese Analyse ergeben hat: „ Im Studium gehe ich mit emotionalen Problemen gelassen um. (0,6 Prozent) „ Ich fühle mich energiereich. (0,5 Prozent) „ Seit dem Studium bin ich anderen Menschen gegenüber emotional abgestumpfter. (30,1 Prozent) „ Mir fällt es leicht, in der Uni eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. (0,7 Prozent) „ Ich befürchte, dass mich mein Studium weniger mitfühlend macht. (22 Prozent) „ Ich fühle mich unverhältnismäßig müde, wenn ich morgens an den bevorstehenden Unitag denke. (52,1 Prozent) „ Ich habe viele lohnende Ziele in meinem Studium erreicht. (29,2 Prozent) „ Am Ende eines Unitags fühle ich mich von meinem Studium ausgelaugt. (85,1 Prozent) „ Ich fühle mich durch mein Studium frustriert. (48,7 Prozent) „Wir als StuPa sind nach dieser Umfrage der festen Überzeugung, dass viele maßgebliche Faktoren, die später im Berufsalltag zu einem Burn-out beitragen, schon im Studium ihren Anfang nehmen", schlussfolgert StuPa-Vorsitzender Schrader. „Ganz einfach aus dem Grund, dass wir schon während des Studiums keinen gesunden Umgang mit Stress lernen. Diese schlechte Stressbewältigung setzt sich aus unserer Sicht immer weiter fort." Eine schockierende Zahl Insgesamt 232 Studierende (11,7 Prozent) gaben zu, schon einmal Suizidgedanken gehabt zu haben. „Gerade diese Zahl hat uns nachhaltig geschockt“, sagt Schrader. Er plädiert vor diesem Hintergrund dafür, dass das Thema psychische Belastung während des Studiums – und auch später im Beruf – offener thematisiert wird: „Auch medizinische Fachkräfte sind nicht vor Problemen mit Stress und Druck gefeit. Und auch sie dürfen sich dann Hilfe suchen – ohne dass sie deshalb eine Stigmatisierung erfahren. Wir als StuPa sind nach dieser Umfrage der festen Überzeugung, dass schon während des Studiums ein gesunder Umgang mit Stress erlernt werden muss. Sonst sind Burn-outs fast schon vorprogrammiert – mit allen negativen Auswirkungen, die das auch auf den Versorgungsauftrag der Zahnärztinnen und Zahnärzte hat.“ Hier, stellt Schrader erfreut fest, machten sich durchaus erste Anzeichen bemerkbar, die auf eine Veränderung in der Lehr- und Gesprächskultur hindeuten. sth ÜBER DIE STUDIE Von Zahnis für Zahnis: Zwischen November 2022 und Januar 2023 waren alle in Deutschland eingeschriebenen Studierenden der Zahnmedizin eingeladen, an der anonymisierten Umfrage des Studierendenparlaments (StuPa) teilzunehmen. Der Fragebogen umfasste 16 Fragen, unter anderem zu den Themen Demografie, Studiensituation, individuelles Stressempfinden und Lehrkultur. Insgesamt konnten 2.150 gültige Antworten ausgewertet werden. In die Bewertung einbezogen wurden nur Hochschulstandorte, über die mindestens 25 Antworten eingingen. Diese Voraussetzung wurde für alle Unis erfüllt. Luft nach oben beim Arbeitsklima: Viele Studierende berichteten von einem rauen Umgangston und sogar Schikane im Studium. Lob und Respekt seien vielerorts Mangelware. Foto: Katarzyna Bialasiewicz photographee.eu

Scannenum mehr zu erfahren oder gehen Sie auf www.cpgabaprofessional.de Schnelle antibakterielle Wirkung mit lang anhaltendem Schutz1 1 Bekämpft Plaquebakterien, „schnell“ in Labortests bestätigt, „lang anhaltend“ bei regelmäßiger Anwendung. 2 mit meridol® Zahnfleischschutz Zahnpasta, im Vergleich zu einer herkömmlichen Zahnpasta mit 1450 ppm Fluorid (NaF/NaMFP) nach 6-monatiger Anwendung des Produkts. Triratana, August 2022. 3 Home Use Test mit meridol® Zahnfleischschutz Zahnpasta, 239 Verwender:innen, Deutschland, September 2022. Verbessern Sie die Zahnfleischpflege Ihrer Patient:innen mit meridol® Schnelle antibakterielle Wirkung mit lang Klinisch bestätigte antibakterielle Wirksamkeit2 12x stärkere Plaquereduktion2 72%bestätigen, Zahnfleisch resistenter gegen Zahnfleischbluten3 NEUE FORMEL Aminfluorid Zinklaktat

24 | PRAXIS INTERVIEW MIT PROF. DR. DIANA WOLFF „Wir haben diesen Weg nicht gewählt, um Studierende zu quälen!“ Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sich viele Zahnmedizinstudierende ungerecht behandelt und nicht ernst genommen fühlen. Ein rauer Umgangston und Schikane scheinen an vielen Unis zum Studienalltag zu gehören. Was läuft da schief? Wir haben mit Diana Wolff gesprochen. Sie ist die Präsidentin der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK). Frau Prof. Wolff, wieso sind viele Zahnis derart unglücklich mit ihrem Studium? Prof. Diana Wolff: Das Zahnmedizinstudium ist ein sehr anspruchsvolles Studium, zeitintensiv und mit psychischen und physischen Herausforderungen verbunden. Jeder von uns Zahnmedizinern und Zahnmedizinerinnen erinnert sich an Momente im Studium, in denen man die eigenen Grenzen ganz deutlich gespürt hat. Man könnte jetzt formulieren, dass auch der Beruf des Zahnarztes und der Zahnärztin ein anstrengender ist und das Studium die jungen Menschen auf diese Herausforderungen ausreichend vorbereiten muss. Immerhin geht es darum, am Ende des Studiums eine berufsfähige Kollegin und einen berufsfähigen Kollegen ausgebildet zu haben, der ab Tag 1 seines Arbeitslebens sorgsam mit Patienten umgeht und den Anforderungen der Patientenbehandlung und Administration gewachsen ist beziehungsweise sich diesen erfolgreich stellen kann. Welche Ausbildung brauchen wir, um dieses Ziel zu erreichen? Sind die Bedürfnisse der jetzigen und folgender Generationen Studierender in den aktuellen Konzepten berücksichtigt? Bedarf es einer Reformierung unserer Lehrkultur beziehungsweise kann die neue Zahnärztliche Approbationsordnung hier Abhilfe schaffen? Diese Fragen beschäftigen mich aktuell sehr intensiv. Ich möchte nicht von der Hand weisen, dass traditionell streng hierarchisch organisierte Hochschulfächer Nachholbedarf in der selbstkritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrkultur haben und dass es teilweise diskrepante Wahrnehmunzm113 Nr. 10, 16.05.2023, (818) Foto: Universität Heidelberg gen zwischen Lehrenden und Lernenden bezüglich Anforderungsprofilen und Strenge in der Auslegung gibt. Hiervon können nicht nur Zahnmediziner, sondern auch Mediziner oder Juristen ein Lied singen. Tradierte Rollenmodelle und eine auf Härte basierende Lehrkultur kollidieren hierbei mit den Ansprüchen der jungen Generation Studierender. Eine novellierte Approbationsordnung wird diese Problematik nicht lösen, da in dieser lediglich die Rahmenbedingungen neu gesteckt werden. Die aktuelle Umfrage des Studierendenparlaments des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte zeigt, dass die Umfrageteilnehmer ein hohes Maß an Stress und Belastungen in ihrem Studium erleben. Ohne die Ergebnisse kleinreden zu wollen, muss an dieser Stelle erwähnt werden dürfen, dass es sich um eine Stichprobe von circa 14 Prozent aller Studierenden der Zahnmedizin in Deutschland handelt, von der nicht auszuschließen ist, dass sie einer gewissen Stichprobenverzerrung durch eine nicht-zufällige TeilnahmeProf. Dr. Diana Wolff studierte in Heidelberg Zahnmedizin. Sie war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin und später Oberärztin an der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde des dortigen Universitätsklinikums. Seit 2007 ist sie Spezialistin in Zahnerhaltung (Präventiv-Restaurativ) der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung. 2012 wurde ihr die „Venia legendi“ im Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und 2015 der Titel einer Außerplanmäßigen Professorin der Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verliehen. 2017 wurde Wolff auf die W3Professur für Zahnerhaltung an der Universität Tübingen berufen. Zugleich wurde sie Direktorin der zugehörigen Poliklinik. Sie war Studiendekanin Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-KarlsUniversität Tübingen und Sprecherin der Studiendekane Baden-Württemberg. 2021 erhielt sie den Ruf auf die W3-Professur für Zahnerhaltungskunde der Universität Heidelberg und leitet seither dort als Ärztliche Direktorin die zugehörige Poliklinik. Seit 2022 ist Wolff Präsidentin der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK).

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=