Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

ZAHNÄRZTLICHE MITTEILUNGEN | WWW.ZM-ONLINE.DE Konsequenzen für Zahnarztpraxen Rund 950.000 Syrerinnen und Syrer leben in Deutschland. Welche Folge hätte eine großangelegte Rückkehraktion? SEITE 18 DGZ-Juniorspezialisierung Der Fall beschreibt die mikroinvasive Behandlung einer moderaten Fluorose mittels Mikroabrasion. SEITE 44 Negative Bewertungen im Internet Wo die Meinungsfreiheit endet und Ihr Recht beginnt, verrät ein Rechtsanwalt, spezialisiert auf Plattformhaftung. SEITE 64 LÄNGSSCHNITTERGEBNISSE DER DMS • 6 Prävention wirkt – und spart Geld! AUSGABE 09 | 2026 zm 01.05.2026, Nr. 09

ABRECHNUNGS MANAGER/-IN Das Beste für Ihre Praxis! Weitere Infos und Anmeldung auf daisy.de oder über den QR-Code EINE DAISY ‣ Online-Lehrgang mit IHK-Zertifikat ‣ berufsbegleitend und praxisnah ‣ Guided Learning 24/7 abrufbar ‣ regelmäßige Live-Sprechstunden

EDITORIAL | 3 Schnelligkeit vor Nachhaltigkeit alle übrigen Sparmaßnahmen mal wieder das übliche Flickwerk nach dem Motto: Allen ein bisschen wehtun, dann passt es schon. Ob dies dann nachhaltig ist, sei dahingestellt. Umsooffensichtlicher wird diese Fehlpolitik mit Blick auf die Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6). In unserer Titelgeschichte stellen wir diesmal die Längsschnittergebnisse vor. Erstmals wurden dieselben Probanden nach neun Jahren erneut untersucht. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse geben wichtige Einblicke in den Verlauf der Mundgesundheit der Deutschen. Auch wenn es immer noch ein paar Baustellen gibt, die angegangen werden müssen, so sind die Gesamtergebnisse mehr als überzeugend. Sie sollten eigentlich so überzeugend sein, dass die Politik die hervorragenden zahnmedizinischen Erfolge der vergangenen Jahrzehnte durch eine kurzsichtige Sparpolitik nicht wieder zunichte macht. Wir dürfen also gespannt sein, ob sie sich noch eines Besseren besinnt. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur Nina Warken drückt aufs Gas. Wenn diese Ausgabe erscheint, hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz voraussichtlich das Bundeskabinett passiert. Vor rund 14 Tagen wurde der vorgeschaltete Referentenentwurf in die Verbändeanhörung gegeben. Wiederum rund 14 Tage zuvor hatte die FinanzKommission Gesundheit ihren Bericht mit ersten Vorschlägen zur Finanzierungsreform der GKV vorgelegt. Und bis zur parlamentarischen Sommerpause soll das Gesetz den Bundestag passieren. Im Bundesgesundheitsministerium verliert man also keine Zeit. Nun ist ein straffes Zeitmanagement das Eine, aber hier werden die Verbände und die Selbstverwaltung wieder einmal nur pro forma in den parlamentarischen Prozess eingebunden. Ein Vorgehen, das Warkens Vorgänger Karl Lauterbach regelmäßig durchexerziert hatte. Das sollte eigentlich mit der neuen Regierung anders werden. Aber der Druck und der Sparwille scheinen sehr hoch zu sein. 20 Milliarden Euro will die Bundesgesundheitsministerin mit dem Gesetz einsparen. Jeder Bereich soll Federn lassen, so das kolportierte Credo. Ob das sinnvoll im Sinne eines nachhaltigen Sparziels ist, darf allerdings bezweifelt werden. Neben einer geplanten „einnahmeorientierten Ausgabenpolitik“, die auch die Zahnärztinnen und Zahnärzte treffen würde, sind es insbesondere die angedachten weitreichenden Eingriffe in die kieferorthopädische Versorgung, die massive negative Auswirkungen auf die flächendeckende Patientenversorgung haben würden. Man könnte auch sagen: wenig Einsparpotenzial, aber weitreichende negative Folgen. Das größte Einsparpotenzial wird aber buchstäblich links liegen gelassen. Und zwar von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil. Der hat bekanntlich einer Finanzierung der Gesundheitsversorgung der Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln eine klare Absage erteilt. Um rund zwölf Milliarden Euro könnten die GKV-Kassen entlastet werden. Für Klingbeil wäre dies hingegen eine „Milchmädchenrechnung“. Laut Wikipedia ist eine Milchmädchenrechnung „die Bezeichnung für eine naive Berechnung oder Argumentation, die wesentliche Aspekte nicht beachtet und deshalb zu einem zwar plausiblen, jedoch unzutreffenden Ergebnis kommt“. Somit ist dies eine bemerkenswerte Aussage für einen Politiker, dessen Partei sich immer wieder für eine Bürgerversicherung ausgesprochen hat – mit der Begründung, dass dort alle einzahlen würden, es damit eine größere Beitragsgerechtigkeit gäbe. Die Einbeziehung von Privatversicherten, Beamten und allen sonstigen Steuerzahlern in die Finanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern scheint hingegen für Klingbeil nicht gerechtigkeitsfördernd. Aber vielleicht liegt es schlicht und ergreifend am Steuerloch, das mit der Übernahme dieser Kosten noch größer würde. Aber so lange die wirklich großen Brocken nicht angefasst und wirkliche Strukturreformen umgesetzt werden, bleiben Foto: Lopata/axentis

4 | INHALT 48 Oberstarzt Dr. Jürgen Rentschler im Interview Die Zahnärztinnen und Zahnärzte der Bundeswehr sorgen dafür, dass die Soldatinnen und Soldaten dental fit und damit einsatzbereit sind. In Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen wird das immer wichtiger. 54 Fallbericht aus der MKG-Chirurgie Bei einem 20-jährigen Patienten waren multiple Retentionen der Anlass für ein OPG, das dann ein ausgedehntes Compound-Odontom in der Unterkieferfront zeigte. MEINUNG 3 Editorial 6 Leitartikel 8 Leserforum POLITIK 14 KZBV und BZÄK sehen massive Gefährdung für die Kieferorthopädie Die geplanten GKV-Regelungen bedrohen die zahnärztliche Versorgung 16 Zahl der aktiven Zahnärzte über 67 Jahre steigt Ab in den Ruhestand? Von wegen! 48 Oberstarzt Dr. Jürgen Rentschler zu Zahnärzten bei der Bundeswehr „Es ist ein Vorteil, dass die Bundeswehr über einen Fachbereich Zahnmedizin verfügt“ ZAHNMEDIZIN 28 Studie zur Mechanik der parodontalen Entzündung Forscher wollen Füllstoff zur Stabilisierung des Gingivagewebes entwickeln 44 Fallbericht aus dem DGZ-JuniorSpezialisierungsprogramm Mikroinvasive Behandlung einer moderaten Fluorose 52 Auszeichnung für zahnmedizinisches Prüfungsverfahren So sind mündliche Tests fair, transparent und praxisnah 54 Fallbericht aus der MKG-Chirurgie Compound-Odontom als Eruptionshindernis 66 Der besondere Fall mit CME Atypische Lokalisation einer Thyreoglossuszyste bei einem Neunjährigen 74 „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ Verwechslungsgefahr beim Lokalanästhetikum 78 Review aus Göteborg Welche Folgen hat Snus für die Zähne? TITELSTORY 30 BZÄK und KZBV zu den Längsschnittergebnissen der DMS • 6 Prävention wirkt im Mund und spart Geld 34 Längsschnittergebnisse der DMS • 6 Prävention verbessert die Mundgesundheit lebenslang MEDIZIN 41 Studie zu Künstlicher Intelligenz im medizinischen Alltag KI-Schreibassistenten sparen spürbar Zeit bei der Dokumentation Inhalt zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (670)

INHALT | 5 70 Von Barrierefreiheit bis Customer Journey Die Website einer Zahnarztpraxis ist oft der erste Kontaktpunkt zwischen Patient und Praxis. Worauf Sie bei der Gestaltung achten sollten. TITELSTORY 30, 34 Längsschnittergebnisse der DMS • 6 Die Daten der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie belegen, dass die Erfolge der Kariesprävention heute bis ins Erwachsenenalter reichen – und dass Prävention die Mundgesundheit lebenslang verbessert. PRAXIS 18 Debatte zur Rückkehr der Syrerinnen und Syrer Zwischen Bleibewunsch und Aufbauhilfe 22 Wie läuft es im Praxisalltag mit der ePA? Prozess statt Paukenschlag 38 Interview mit Alexandra Ponweera zur Rekrutierung von Azubis aus Vietnam „Beide Seiten sind dankbar für die Möglichkeit“ 64 Negative Bewertungen im Internet Wo die Meinungsfreiheit endet und Ihr Recht beginnt 70 Professionelle Gestaltung der Praxis-Website Barrierefreiheit meets Customer Journey 80 Künstliche Intelligenz im Praxisalltag „Generative Engine Optimization ist kein Hexenwerk!“ GESELLSCHAFT 26 Mitgliederbefragung des Marburger Bunds Machtmissbrauch innerhalb ärztlicher Teams kommt häufig vor 42 Systematischer Krankenkassenbetrug in Frankreich Und wieder steht eine Dentalkette im Zentrum der Machenschaften! 72 US-Langzeitstudie entkräftet IQ-Debatte „Fluorid im Trinkwasser schadet dem IQ von Kindern nicht!“ 82 Im Einsatz für die Projekthilfe Gambia Eine niedrigschwellige Versorgung ist hier unerlässlich! MARKT 84 Neuheiten RUBRIKEN 12 Ein Bild und seine Geschichte 59 Formular 60 Termine 62 News 77 Impressum 78 Bekanntmachungen 98 Zu guter Letzt Titelfoto: Syda Productions – stock.adobe.com zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (671)

In diesen Tagen muss man gute Nachrichten mit der Lupe suchen. Bei der großen Weltpolitik angefangen, die unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hat, bis hin zur deutschen Gesundheitspolitik, wo Bundesgesundheitsministerin Nina Warken demnächst umfassend den Rotstift ansetzen will. Da kommt insgesamt wenig Freude auf. Aber manchmal muss man für gute Nachrichten auch selbst sorgen. Und das tun wir Zahnärztinnen und Zahnärzte. Mit viel Einsatz und Engagement. Bekanntermaßen kämpfen wir in unseren Praxen schon länger um Auszubildende, die wir dann im Idealfall nach ihrer Lehre übernehmen können. Wir stehen damit in direkter Konkurrenz zu anderen Gesundheitsberufen und natürlich zu allen anderen Ausbildungsberufen. Das ist ein hartes Umfeld, auch wenn wir einen attraktiven Beruf anbieten können. Aber das nützt alles nichts, wenn wir diesen schönen Arbeitsplatz nicht bekannt machen und ins Bewusstsein der jungen Menschen – vor allem immer noch der jungen Frauen – und ihrer Eltern rufen. Gleichzeitig gilt es, das Berufsimage zu verbessern. Deswegen haben die Landeszahnärztekammern und die Bundeszahnärztekammer vor einigen Jahren eine ZFAAzubikampagne ins Leben gerufen. Was 2017 als Projekt in Nordrhein an den Start ging, ist heute eine hochprofessionelle Kampagne unter der Leitung der BZÄK. Wir haben uns mit Marketingexperten viele Gedanken gemacht, wie und wo wir die jungen Menschen am besten erreichen können. Und schnell war klar: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Soll heißen: Unsere Kampagne muss die Sprache der Jugendlichen sprechen. Im Jahr 2024 starteten wir deshalb fünf Kooperationen mit TikTok-Influencerinnen und hatten vier Anzeigenläufe bei Facebook, die sich speziell an die Mütter – als wichtige Ratgeberinnen bei der Berufswahl – richteten. Insgesamt erreichten wir damit 11 Millionen Aufrufe bei TikTok sowie 19.000 Website-Aufrufe. 2025 erweiterten wir die Strategie und haben erstmals auch Videos mit ZFA veröffentlicht, die natürlich eine besondere Glaubwürdigkeit haben. Gleichzeitig gab es ein Re-Design unserer Kampagnen-Website. Damit gelangen uns im vergangenen Jahr 13,2 Millionen Aufrufe und 40.000 Website-Aufrufe. Das sind mehr als beeindruckende Zahlen – aber mit Klicks allein sind noch keine Ausbildungsplätze besetzt. Entscheidend ist wie immer, was am Ende herauskommt. Und auf diese Ergebnisse können wir mit Fug und Recht stolz sein: So konnte seit Beginn der Kampagne die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 23 Prozent auf ein Allzeithoch von 17.396 gesteigert werden. Und das, obwohl die Corona-Pandemie dazwischen lag. Wir laufen damit im zahnärztlichen Bereich erfreulicherweise gegen den Trend: Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Ausbildungsverträge 2025 um 2,8 Prozent. Und noch ein paar Zahlen: 2024 bildeten rund 43 Prozent aller Zahnarztpraxen aus. Das ist eine tolle Quote. Knapp jedes zehnte Angestelltenverhältnis in Zahnarztpraxen ist damit ein Ausbildungsplatz. Für Frauen war ZFA 2024 der drittbeliebteste Ausbildungsberuf überhaupt. Dabei erweisen sich die Zahnarztpraxen außerdem als Integrationsmotor – bei jungen Frauen mit Migrationshintergrund war ZFA der am häufigsten ergriffene Ausbildungsberuf. Aber selbstverständlich darf man sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. Die Konkurrenz schläft ja nicht. Deshalb setzen wir die Kampagne weiter fort, evaluieren sie und justieren nach. Unser Ziel ist es, 2026 die Aufrufe bei den Influencern und dem eigenen Content auf 17 Millionen zu steigern. Bei den Website-Aufrufen wollen wir die 45.000er-Marke knacken. Unser langfristiges Ziel muss es sein, die Zahl der ZFA-Ausbildungsverträge dauerhaft zu erhöhen. Aber natürlich ist unser finales Ziel mit einer hohen Zahl an Ausbildungsplätzen noch nicht erreicht. Ebenso wichtig ist es in der Folge, die fertig ausgebildeten ZFA in den Praxen zu halten. Diese Aufgabe, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir dann gemeinsam zu einer Erfolgsgeschichte führen. Dr. Ralf Hausweiler Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Hier finden Sie die Website der ZFAKampagne: www.zfa-beruf.com Eine Erfolgsgeschichte – selbstgemacht 6 | LEITARTIKEL Foto: ZÄK Nordrhein / J. Rolfes

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zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (674) Ich bin angestellter Zahnarzt mit Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie und M. Sc. Kieferorthopädie, ich arbeite seit über vier Jahren ausschließlich kieferorthopädisch – und ein Referentenentwurf, der am 29. April vom Kabinett beschlossen werden soll, könnte diese Tätigkeit für mich und Hunderte Kollegen in Deutschland von heute auf morgen beenden. Die Begründung: Qualitätssicherung. Was fehlt: jeder wissenschaftliche Beleg dafür. Die FinanzKommission Gesundheit empfiehlt unter Reformempfehlung Nr. 23 die Beschränkung kieferorthopädischer GKVLeistungen auf Fachzahnärzte. Was in der politischen Diskussion fehlt: jede evidenzbasierte Grundlage für diese Behauptung. Bis dato existiert keine einzige publizierte Studie, die Behandlungsergebnisse zwischen Fachzahnärzten KFO und kieferorthopädisch spezialisierten Zahnärzten mit M.Sc. oder strukturiertem Tätigkeitsschwerpunkt direkt vergleicht. Relevante Qualitätsindikatoren wären dabei: Behandlungsabbruchrate, Häufigkeit von Behandlerwechseln mid-treatment, ausbleibende Rückerstattung des Eigenanteils bei vorzeitigem Behandlungsabbruch sowie Rezidivrate, Komplikationen und Behandlungsdauer. Das IGES-Gutachten des BMG selbst dokumentiert erhebliche Evidenzlücken zur Qualität der KFO-Versorgung. Keiner dieser Indikatoren wurde bislang nach Qualifikation des Behandlers ausgewertet – obwohl die Kassendaten dies grundsätzlich ermöglichen würden. Eine Gesetzesänderung mit erheblichen Versorgungsfolgen, die auf dem Argument „strukturierte Ausbildung = bessere Qualität“ basiert, ohne empirischen Nachweis, ist rechtfertigungsbedürftig. Hinzu kommt: Der implizite Vergleich mit der humanmedizinischen Facharztpflicht ist nicht tragfähig. In der Humanmedizin rechtfertigt sich die Facharztpflicht auch dadurch, dass Krankenhäuser strukturell hohe Fallzahlen aufweisen – der Weiterbildungsassistent ist dort täglich mit einem breiten, hochfrequenten Patientenspektrum konfrontiert. Universitäre Zahnkliniken hingegen weisen statistisch sehr geringe Patientenzahlen pro angestelltem Behandler auf. Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt KFO an einer Uniklinik bedeutet in der Praxis häufig: wenige Fälle, langer Betreuungshorizont, akademischer Fokus – kein Äquivalent zur klinischen Intensität eines Krankenhauses. Ein M.Sc.- ZU DEN VORSCHLÄGEN DER GKV-FINANZKOMMISSION Der politischen Diskussion fehlt die Evidenz Leserbrief zum Artikel „Erneute Kostendämpfung würde Erfolge in der Zahn- und Mundgesundheit beschädigen“ zm 8/2026, S. 12-14. Die zm-Redaktion ist frei in der Annahme von Leserbriefen und behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch in der digitalen Ausgabe der zm und bei www.zm-online.de zu veröffentlichen. Bitte geben Sie immer Ihren vollen Namen und Ihre Adresse an und senden Sie Ihren Leserbrief an leserbriefe@zm-online.de oder an die Redaktion: Zahnärztliche Mitteilungen, Chausseestr. 13, 10115 Berlin. Anonyme Leserbriefe werden nicht veröffentlicht. Foto: ©Federico Rostagno - stock.adobe.com Leserforum 8 | MEINUNG

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10 | MEINUNG zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (676) Absolvent mit mehrjähriger Vollzeittätigkeit im KFO-Schwerpunkt akkumuliert in der Praxis ein Fallvolumen, das die universitäre Weiterbildung bei Weitem übertrifft. Die Übertragung des humanmedizinischen Facharztmodells auf die Zahnmedizin ist daher strukturell nicht gerechtfertigt. Die versorgungspolitischen Folgen wären gravierend – und gehen weit über die Zahnmedizin hinaus. Moderne Kieferorthopädie leistet weit mehr als Zahnstellungskorrekturen. Frühzeitige Behandlung optimiert nachweislich die Atemwegsgeometrie bei Kindern – mit direkter Wirkung auf Mundatmung, Schlafqualität und kognitive Entwicklung. Mundatmende Kinder ohne frühzeitige KFO-Intervention verursachen Mehraufwand in einer Vielzahl angrenzender Fachrichtungen: Logopädie, HNO, Schlafmedizin, Kinderpsychiatrie, Entwicklungspädiatrie, Kieferchirurgie und Physiotherapie. Eine frühzeitige KFO-Intervention ist damit eine der kosteneffizientesten Präventivmaßnahmen im Kindesgesundheitssystem überhaupt. Versorgungsengpässe treffen hier nicht nur die Zahnmedizin, sondern erzeugen mittel- und langfristig erhebliche Folgekosten in mehreren Fachbereichen gleichzeitig. Als warnendes Beispiel dienen die Verhältnisse in Großbritannien: Der NHS verzeichnet bei kieferorthopädischen Leistungen Wartezeiten von mehreren Jahren, weil das Behandlerangebot künstlich auf einen engen Spezialistenkreis beschränkt wurde. Eine analoge Verknappung in Deutschland – bei gleichzeitig steigendem Versorgungsbedarf (laut DMS 6: ca. 40 Prozent der 8-9-Jährigen mit KFO-Indikation) – würde insbesondere Familien mit gesetzlicher Krankenversicherung treffen und die Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche faktisch aushöhlen. Dr. Moritz Göde M.Sc. Kieferorthopädie, München Auch KZBV und BZÄK sehen durch den Referentenentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine massive Gefährdung für die Kieferorthopädie. Lesen Sie dazu den Artikel „Geplante GKV-Regelungen bedrohen zahnärztliche Versorgung“ in dieser Ausgabe auf Seite 14. KUNST IN DER ZAHNARZTPRAXIS Diese Bilder hängen in meiner Praxis Leserbrief zur Titelgeschichte „Von Monet bis Pappmaché“ in zm 6/2026, S. 34-39 Hier sind zwei Fotos von der Kunst in meinen Behandlungszimmern. Meine Idee: Die Werke sind farblich abgestimmt auf die Stuhl-Polster. Dr. Julia Hänseler Aachen Zeigen Sie uns Ihre Praxiskunst! Sie haben auch Kunst an der Praxiswand, zeigen Skulpturen im Wartezimmer oder präsentieren Installationen im Außenbereich? Dann lassen Sie doch Ihre Kolleginnen und Kollegen daran teilhaben und schicken Sie uns Fotos an zm@zm-online.de. Wir stellen Ihre Praxiskunst in den nächsten Ausgaben vor! Fotos: privat

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EIN BILD UND SEINE GESCHICHTE zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (678) 12 | GESELLSCHAFT Bei ihrem Einsatz für „Zahnärzte ohne Grenzen“ in Togo lernten Frank und Theresa Würfel im Herbst 2023 Kokou Amegavi kennen. Seitdem haben Vater und Tochter mit riesigem Engagement – und der Hilfe zahlreicher Unterstützer – das Leben des damals 33-Jährigen grundlegend gedreht. Der junge Mann stellte sich damals in der Zahnklinik Aneho mit einem Abszess vor, das OPG und spätere CT zeigten eine enorme Raumforderung im rechten Unterkiefer. Die Diagnose in der Klinik der Hauptstadt Lomé: ein bösartiger Tumor. Ein Schicksalsschlag für den jungen Mann. Vor Ort gab es keine medizinischen Möglichkeiten zur OP, und selbst wenn es sie gegeben hätte: Amegavi fehlte das Geld. Aus diesem Grund hatte er Jahre zuvor nach zwei Semestern Jura einen Job als Lkw-Fahrer annehmen müssen, berichten die Würfels, die im sächsischen Heidenau gemeinsam praktizieren. Nach zahlreichen organisatorischen und bürokratischen Anstrengungen hatte es Familie Würfel im Frühjahr 2025 dann geschafft. Dank einer Spendensumme von rund 45.000 Euro konnte Amegavi am Uniklinikum Dresden operiert werden. Dabei musste ein großer Teil des Unterkieferknochens durch ein Stück Wadenbein ersetzt werden. „Zehn Tage nach dem großen Tag, auf den wir über ein Jahr gewartet hatten, saßen Kokou und ich im Schillergarten, und er aß seinen allerersten Leberkäse mit Bratkartoffeln“, schreibt Frank Würfel auf seiner Website, wo er den Fall schildert und allen Unterstützern dankt. „Die Lippe war noch ein bisschen taub, aber er war glücklich.“ Und damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende: Seit April 2026 ist Amegavi wieder in Deutschland und wird hier im September eine Ausbildung in der Pflege beginnen. Bis dahin arbeitet er an seinen Sprachkenntnissen. Vor der Operation sprach er Französisch, ein bisschen deutsch und die KwaSprache Ewe, seitdem kommen jeden Tag ein paar deutsche Vokabeln hinzu. Mehr über Amegavis' Geschichte lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben. Foto: privat, Dennis – stock.adobe.com

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zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (680) 14 | POLITIK KZBV UND BZÄK SEHEN MASSIVE GEFÄHRDUNG FÜR DIE KIEFERORTHOPÄDIE Geplante GKV-Regelungen bedrohen zahnärztliche Versorgung Der vorliegende Referentenentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz enthält für die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) tiefgreifende negative Einschnitte in das Versorgungsgeschehen – insbesondere im Bereich der Kieferorthopädie (KFO). Die FinanzKommission Gesundheit hatte Mitte März 66 Maßnahmen empfohlen, um die Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kurzfristig zu stabilisieren. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) reagierten umgehend und warnten nach Veröffentlichung der Vorschläge vor Rückschritten bei den präventiven Erfolgen in der Zahnmedizin. Am 16. April veröffentlichte das Bundesgesundheitsministerium dann einen vorab vorbereiteten Referentenentwurf und gewährte den Verbänden des Gesundheitswesens bis zum 20. April Zeit für die Einreichung ihrer Stellungnahmen. Noch am selben Tag erfolgte die Verbändeanhörung im Gesundheitsausschuss. Grund für das beschleunigte Verfahren ist ein extrem ambitionierter Zeitplan: So sollte das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bereits am 29. April das Bundeskabinett passieren, damit es noch vor der Sommerpause beschlossen werden kann. Ob dieser Plan zu halten ist, ist zum Redaktionsschluss am 21. April offen. mg Die gemeinsame Stellungnahme von KZBV und BZÄK finden Sie über den QR-Code. Foto: anatoliy_gleb - stock.adobe.com „DANN WIRD MAN KÜNFTIG SOZIALE UNTERSCHIEDE WIEDER AN DEN ZÄHNEN ERKENNEN!“ „Bei aller Notwendigkeit, Reformen aufgrund der Kostenentwicklung im Gesundheitssystem umsetzen zu müssen, darf der Blick auf die einzelnen Versorgungsbereiche nicht verloren gehen. Deshalb haben wir kein Verständnis dafür, dass mit diesem Gesetzesentwurf die Politik erneut in bewährte und wirksame Versorgungsstrukturen eingreift, anstatt die wirklichen Ursachen für die aktuelle Schieflage anzugehen. Die Folgen eines solch unüberlegten Handelns werden auf unabsehbare Zeit zulasten der Versicherten gehen. Insbesondere mit dem geplanten Eingriff in die Kieferorthopädie erwarten wir eine tiefgreifende Gefährdung der Versorgung. Wenn nur noch Fachzahnärzte für Kieferorthopädie diese Behandlungen durchführen dürfen, kommt dies für Zahnärzte, die auch kieferorthopädisch arbeiten, einem faktischen Berufsverbot gleich, was die Existenz vieler Praxen aufs Spiel setzt. Die Folge wird sein, dass künftig weit über 920.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ihren Behandler verlieren würden und damit eine flächendeckende kieferorthopädische Versorgung nicht mehr sichergestellt werden könnte. Der Referentenentwurf gefährdet damit massiv die bislang gemeinsam erreichten Erfolge in der Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen der letzten Jahrzehnte. Er wird in dieser Form zur Spaltung der Gesellschaft auf Basis sozialer Hintergründe sowie zwischen ländlichem und städtischem Raum beitragen. Bei Umsetzung dieses sozialpolitisch verhängnisvollen Entwurfs wird man künftig soziale Unterschiede wieder an den Zähnen erkennen. Auch die angedachten sogenannten ‚Kostendämpfungsmaßnahmen‘ sind ein Irrweg und haben zwangsläufig Auswirkungen auf die Patientenversorgung sowie auf die Sicherstellung. Denn aufgrund fehlender Planungssicherheit wird sich die ältere Kollegenschaft sicherlich überlegen, früher aus der Versorgung auszuscheiden; zugleich werden Vorbehalte gegenüber einer Praxisniederlassung gestärkt. Versorgungsengpässe sind künftig dann nicht mehr auszuschließen. Diese Vorschläge des Referentenentwurfs entbehren jeglicher fachlicher Grundlage. Deshalb fordern wir die Politik auf, diese gesundheitspolitischen Irrläufer sofort aus dem vorliegenden Entwurf zu streichen. Im Sinne einer bisher sehr gut funktionierenden und flächendeckenden Patientenversorgung dürfen diese Regelungen nicht den Weg ins Gesetz finden.“ KZBV-Vorsitzender Martin Hendges und BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler anlässlich der Anhörung im BMG am 20. April

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16 | POLITIK zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (682) ZAHL DER AKTIVEN ZAHNÄRZTE ÜBER 67 JAHRE STEIGT Ab in den Ruhestand? Von wegen! Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte wollen auch nach dem 67. Geburtstag weiter arbeiten. Ende 2024 waren es 2.765 der insgesamt 73.511 zahnärztlich Tätigen – 6,3 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Wert noch bei 3,9 Prozent. Der Blick in die Statistik zeigt außerdem: Je nach Kammerbezirk gibt es deutliche Unterschiede. Wie die Statistik der Bundeszahnärztekammer (Stichtag: 31. Dezember 2024) zeigt, arbeiten vor allem Männer über den Ruhestand hinaus. Bei ihnen ist es fast jeder Zehnte (9,5 Prozent), 3-mal mehr als bei den Frauen (3,0 Prozent). Auffällig sind die Unterschiede je nach Bundesland beziehungsweise Kammerbezirk: Die meisten Silverager arbeiten in Bremen (8,2 Prozent), Westfalen-Lippe (7,8 Prozent) und Thüringen (7,3 Prozent) – die wenigsten in MecklenburgVorpommern (3,6 Prozent) und Schleswig Holstein (4,4 Prozent). Wer länger arbeitet, tut dies häufiger in Teilzeit, zeigt eine Auswertung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten über 67 liegt die Teilzeitquote bei 24,8 Prozent, in der gesamten Zahnärzteschaft bei 16,6 Prozent. Insgesamt waren Ende 2024 rund 67,4 Prozent aller Behandelnden vertragszahnärztlich tätig, bei Personen über 67 waren es 66,8 Prozent (Stand 30. Juni 2024). Zahnärztinnen und Zahnärzte Ü-67 arbeiten etwas seltener in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) (7,1 Prozent) als die komplette Zahnärzteschaft (9,5 Prozent) und etwas häufiger in Einzelpraxen (65,5 versus 63,9 Prozent) oder in BAG (27,4 versus 26,6 Prozent). mg Foto: MDBPIXS - stock.adobe.com VERGLEICH DER ABSOLUTEN ZAHLEN DER Ü67-ZÄ NACH KAMMERBEZIRKEN UND DEREN ANTEIL AN DER JEWEILIGEN GESAMTZAHL DER TÄTIGEN ZÄ insgesamt 2014: Gesamt 2014: ü67 Anteil in % 2024: Gesamt 2024: ü67 Anteil in% Baden-Württemberg 8.944 391 4,4 9.471 609 6,4 Bayern 11.376 452 4,0 12.401 754 6,1 Berlin 4.241 195 4,6 4.344 296 6,8 Brandenburg 1.980 70 3,5 1.853 100 5,4 Bremen 545 28 5,1 585 48 8,2 Hamburg 1.979 113 5,7 2.131 131 6,1 Hessen 5.507 192 3,5 5.866 368 6,3 MecklenburgVorpommern 1.465 30 2,0 1.287 46 3,6 Niedersachsen 6.602 319 4,8 6.518 435 6,7 Nordrhein 7.937 285 3,6 8.782 462 5,3 Westfalen-Lippe 6.344 279 4,4 6.755 528 7,8 Rheinland-Pfalz 2.882 109 3,8 3.344 241 7,2 Saarland 687 16 2,3 697 46 6,6 Sachsen 3.937 118 3,0 3.699 209 5,7 Sachsen-Anhalt 1.926 38 2,0 1.686 93 5,5 Schleswig-Holstein 2.383 94 3,9 2.414 106 4,4 Thüringen 2.044 36 1,8 1.678 122 7,3 Bundesgebiet 70.779 2.765 3,9 73.511 4.596 6,3 Quelle: (Landes-) Zahnärztekammern

Setzen Ihre Patient:innen ihre Zahnfleischgesundheit aufs Spiel? Lassen Sie uns gemeinsam helfen. Starke antiseptische Wirkung stärkere Plaquereduktion** effektiver* 7x 28x Empfehlen Sie meridol® med Chlorhexidin 0,2 % zur kurzzeitigen effektiven Unterstützung der Zahnfleischgesundheit und meridol® PARODONT EXPERT zur Verstärkung der Wirkung des täglichen Zähneputzens#, um die Ursache von Zahnfleischproblemen zu bekämpfen§ und die Widerstandskraft des Zahnfleisches gegen Zahnfleischrückgang und Parodontitis zu stärken. *meridol® PARODONT EXPERT Zahnpasta, in der Umkehr von gelegentlich blutenden zu nicht blutenden Stellen am Zahnfleisch, im Vergleich zu einer fluoridierten Zahnpasta (1.000 ppm F-, NaMFP), nach 6 Monaten bei zweimal täglicher Anwendung. Montesani et al., 2024, J Dent Res, 102 (SI_ #3967079). ** Nach 6 Monaten bei zweimal täglicher Anwendung im Vergleich zu einer fluoridierten Mundspülung, 200 ppm F- als NaF. Montesani et al., 2024, J Dent Res, 102 (SI_ #3969463). # Im Vergleich zu einer fluoridierten Zahnpasta (1.450 ppm F-, MFP/ NaF) § Reduziert bakterielle Plaque bei kontinuierlicher Anwendung, bevor Zahnfleischprobleme entstehen. meridol® med Chlorhexidin 0,2 % Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle. Zusammensetzung: 100 ml Lösung enthalten 1,0617 g Chlorhexidindigluconat-Lösung, entsprechend 200 mg Chlorhexidinbis (D-gluconat), Sorbitol-Lösung 70 % (nicht kristallisierend), Glycerol, Propylenglycol, Macrogolglycerolhydroxystearat, Cetylpyridiniumchlorid, Citronensäure-Monohydrat, Pfefferminzöl, Patentblau V (E 131), gereinigtes Wasser. Anwendungsgebiete: Zur zeitweiligen Keimzahlreduktion in der Mundhöhle, als temporäre adjuvante Therapie zur mechanischen Reinigung bei bakteriell bedingten Entzündungen der Gingiva und der Mundschleimhaut sowie nach parodontalchirurgischen Eingriffen, bei eingeschränkter Mundhygienefähigkeit. Gegenanzeigen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels, bei schlecht durchblutetem Gewebe, am Trommelfell, am Auge und in der Augenumgebung. Nebenwirkungen: Reversible Beeinträchtigung des Geschmacksempfindens, reversibles Taubheitsgefühl der Zunge, reversible Verfärbungen von Zahnhartgeweben, Restaurationen (Zahnfüllungen) und Zungenpapillen (Haarzunge). Dieses Arzneimittel enthält Aromen mit Allergenen. Selten treten Überempfindlichkeitsreaktionen auf. In Einzelfällen wurden auch schwerwiegende allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock nach lokaler Anwendung von Chlorhexidin beschrieben. In Einzelfällen traten reversible desquamative Veränderungen der Mukosa und eine reversible Parotisschwellung auf. CP GABA GmbH, 20354 Hamburg. Stand: Januar 2026. KURZZEITIGE BEHANDLUNG TÄGLICHER ZAHNFLEISCHSCHUTZ Setzen Sie auf

18 | PRAXIS DEBATTE ZUR RÜCKKEHR DER SYRERINNEN UND SYRER Zwischen Bleibewunsch und Aufbauhilfe 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer sollen in ihre Heimat zurückkehren – so zitierte Bundeskanzler Friedrich Merz den „Wunsch“ des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa. Was wären die Folgen einer groß angelegten Rückkehr-Aktion syrischer Staatsangehöriger für den deutschen Arbeitsmarkt – insbesondere für die Zahnarztpraxen? Insgesamt 950.000 Syrerinnen und Syrer – ohne deutschen Pass – leben derzeit in Deutschland. Von ihnen waren im August 2025 laut Bundesagentur für Arbeit (BA) gut 260.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Tendenz steigend. Hinzu kommen die rund 250.000 Syrer, die sich seit 2016 haben einbürgern lassen und in der BA-Statistik als Deutsche geführt werden. 80.000 Syrerinnen und Syrer sind in Engpassberufen tätig Welche Folgen mehr als ein Jahrzehnt nach der großen Fluchtwelle eine Rückkehr dieser Dimension für den deutschen Arbeitsmarkt hätte, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) analysiert: So arbeiten bei uns allein Syrerinnen und Syrer sind in Deutschland beruflich auch in Zahnarztpraxen stark vertreten. Foto: Eduardo Sandoval/Wirestock Creators-stock.adobe.com zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (684) „DIE RICHTIGE FRAGE IST, WIE WIR QUALIFIZIERTE MENSCHEN BESSER INTEGRIEREN KÖNNEN“ „Ich halte wenig davon, einzelne politische Aussagen emotional zu bewerten oder daraus symbolische Debatten zu machen. Aus meiner Sicht geht es nicht um Prozentzahlen, sondern um Menschen, Leistung und Verantwortung. Gerade in der Zahnmedizin wissen viele nicht, wie anspruchsvoll der Weg für Kolleginnen und Kollegen mit einem ausländischen Abschluss in Deutschland ist. Sprachkurse, Fachsprachprüfung, Berufserlaubnis, Tätigkeit unter Aufsicht, Kenntnisprüfung, Approbation und weitere Assistenzzeit – bis zur vollständigen beruflichen Integration vergehen oft fünf bis sechs Jahre oder mehr. Wer diesen Weg erfolgreich geht, beweist Disziplin, Motivation und echte Integrationsbereitschaft. Mein Fokus liegt deshalb nicht auf politischen Schlagzeilen, sondern auf der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Ich erlebe, dass in einigen Regionen Deutschlands Praxen schließen, weil Nachfolger fehlen – unter anderem in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Das ist die eigentliche Herausforderung, über die wir sprechen sollten. Die richtige Frage lautet daher nicht, wer zurückkehren soll, sondern wie wir qualifizierte Menschen schneller und besser integrieren können: mit klaren Regeln, weniger Bürokratie und verlässlichen Perspektiven. Wenn sich die Fragestellung ändert, ändern sich auch die Ergebnisse. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Vielfalt funktioniert. In meiner Praxis arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten, Kulturen und Religionen erfolgreich zusammen. Uns verbindet nicht die Herkunft, sondern Professionalität, Respekt und das gemeinsame Ziel, gute Zahnmedizin zu leisten. Am Ende zählt nicht, wo jemand geboren wurde. Entscheidend ist, wie jemand arbeitet, wie er mit Menschen umgeht und welchen Beitrag er für die Gesellschaft leistet.“ Foto: privat Yamen Aslan, selbstständiger Zahnarzt in Dresden

PRAXIS | 19 80.000 Syrerinnen und Syrer in Engpassberufen. Das bestätigt auch die BA-Statistik: Am stärksten präsent sind sie demzufolge in der Kfz-Branche (4.200/ 3,2 Prozent), als Bus- oder Straßenbahnfahrer (3.600/ 2,8 Prozent), in Pflegeberufen, (3.200/ 2,4 Prozent), als Berufskraftfahrerinnen/-fahrer (3.100/ 2,4 Prozent) sowie als Zahnmedizinische Fachangestellte (2.600/ 2,0 Prozent). Außerdem sind sie stark, im Gastgewerbe vertreten. Wie das IW weiter ausführt, sind etwa die Hälfte der syrischen Beschäftigten Fachkräfte, gut zehn Prozent sogar auf Spezialisten- oder Expertenniveau tätig. Außerdem gibt es dem IW zufolge etwa 21.000 Syrerinnen und Syrer, die hier studieren, und knapp 7.000, die eine Berufsausbildung absolvieren – „darunter ebenfalls viele in Engpassberufen wie Zahnmedizin, zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (685) „IM MOMENT NOCH ZU FRÜH“ „Der Beginn des Wiederaufbaus in meinem Heimatland gibt mir nach Jahren von Krieg und Zerstörung neue Hoffnung. Als Zahnärztin bin ich nach Deutschland gekommen, unter anderem wegen der geschwächten Gesundheitsinfrastruktur in Syrien und um mich fachlich weiterzuentwickeln. Da ich mich noch im Anerkennungsverfahren befinde und sich Syrien erst am Anfang des Wiederaufbaus befindet, wäre eine Rückkehr aktuell für meinen beruflichen Weg schwierig. Zudem könnte ich meine Kenntnisse dort derzeit kaum einsetzen und habe hier noch nicht ausreichend Erfahrung gesammelt. Auch würde ein solcher Schritt ohne Alternativen Lücken in der Versorgung hier hinterlassen. Langfristig ist eine Rückkehr sicher wichtig, im Moment jedoch noch zu früh.“ Sawsan Tarraf, angestellte Zahnärztin in Bremen „DEUTSCHLAND IST MEINE HEIMAT“ „Ich kam im Alter von 16 Jahren nach Deutschland – in einer prägenden Phase meiner persönlichen Entwicklung. Heute ist Deutschland meine Heimat. Hier habe ich nicht nur die Sprache gelernt, sondern meine gesamte Sozialisierung erfahren. Würde ich heute in mein Geburtsland zurückkehren, würde ich mich dort fremd fühlen. Mein Lebensmittelpunkt, mein Freundeskreis und meine Werte sind hier tief verwurzelt. Ich habe mir hier aus eigener Kraft eine Existenz aufgebaut. Ich habe meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, mich kontinuierlich weitergebildet und stehe bereits fest im Berufsleben. Mein nächster großer Schritt ist das bevorstehende Studium. All diese Perspektiven und Erfolge sind untrennbar mit dem deutschen Bildungs- und Arbeitssystem verknüpft. Dies ist bei uns Familientradition: Ich stamme aus einer sehr erfolgreichen und bildungsorientierten Familie. Sowohl mein Vater als auch meine Geschwister entwickeln sich hier jeden Tag weiter, sind beruflich erfolgreich und leisten ihren Beitrag zur Gesellschaft. Ich betrachte meine Integration daher nicht als einen vorübergehenden Zustand, sondern als einen bewussten und abgeschlossenen Prozess. Ich bin ein fester Teil dieser Gesellschaft, leiste meinen Beitrag im medizinischen Bereich und plane meine gesamte private sowie berufliche Zukunft hier. Eine Rückkehr nach Syrien ist für mich daher dauerhaft ausgeschlossen – weder jetzt noch in der Zukunft. Angesichts der aktuellen politischen Debatten über Rückführungen möchte ich betonen: Anstatt über die Rückkehr von Menschen zu diskutieren, die sich hier eine Existenz aufgebaut haben, sollte der Fokus auf der Anerkennung derjenigen liegen, die bereits hier sind, die Sprache beherrschen und das Land aktiv mitgestalten. Deutschland ist meine Heimat – nicht nur auf dem Papier, sondern durch meine tägliche Arbeit, meine Familie und mein gesamtes Leben.“ Foto: privat „ICH UNTERSTÜTZE DAS MODELL DER ZIRKULÄREN MIGRATION“ „Die von Bundeskanzler Merz geäußerte Einschätzung lässt die aktuelle Realität vor Ort außer Acht. Auch nach dem Regimewechsel wiegen die Folgen des 14-jährigen Krieges weiterhin schwer: Eine desolate Infrastruktur, eine prekäre medizinische Versorgung und ein erheblicher Mangel an Bildungskapazitäten prägen die Situation. Unter diesen Bedingungen ist eine Rückkehrquote von 80 Prozent – oder auch nur signifikanter Teile davon – faktisch nicht realisierbar. Im Gegensatz dazu bietet der Ansatz von Herrn al-Scharaa eine konstruktive Perspektive: Ein Modell der zirkulären Migration würde es syrischen Fachkräften ermöglichen, den Wiederaufbau aktiv mitzugestalten, ohne die in Deutschland gewonnene Stabilität und Sicherheit aufgeben zu müssen. Aus meiner Sicht als Zahnarzt wäre eine Rückkehr derzeit mit erheblichen Hürden verbunden. Der Mangel an Wohnraum und beruflichen Strukturen würde unweigerlich zu einem Verdrängungswettbewerb um die wenigen verfügbaren Ressourcen führen – ein Problem, das weit über den medizinischen Sektor hinausgeht.“ Foto: privat Abdulrahman Abo Baker, angestellter Zahnarzt in Ulmen Marwa Alissa, ZFA und Prophylaxehelferin in der Praxis CrownDent in Kaiserslautern

20 | PRAXIS zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (686) Sanitär- und Heizungstechnik sowie Bauelektrik“. Davon 2.600 im ZFA-Beruf und über 1.000 als Zahnärzte Stand Ende 2024 arbeiteten laut der Mitgliederstatistiken der Landeskammern insgesamt 1.056 tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland, die (auch) die syrische Staatsbürgerschaft haben. Das Durchschnittsalter der syrischen Bevölkerung in Deutschland liegt laut Mediendienst Integration bei etwa 27 Jahren. Rund ein Drittel – 328.400 Personen – ist minderjährig. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines erwarteten Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials ist diese Gruppe ein erhebliches Reservoir für den Arbeitsmarkt“, betont das IW. Über die reguläre Erwerbszuwanderung kamen 2024 nach Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge nur 54.590 Personen aus Drittstaaten außerhalb der EU nach Deutschland – aus Sicht des IW bei Weitem nicht genug, um den Renteneintritt der Babyboomer auszugleichen: „Allein in dieser Legislatur gehen 5,1 Millionen Babyboomer in Rente, aber nur zwei Millionen kommennach.“ Warum dürfen gut integrierte Menschen nicht hierbleiben? Das Fazit der IW-Ökonomen: „Eine pauschale Rückkehrforderung wird der Komplexität der Integration der Syrer nicht gerecht und birgt das Risiko, dass auch Qualifizierte und gut integrierte Personen freiwillig abwandern. Statt die Integration generell infrage zu stellen, sollte die Politik die Interessen Syriens beim Wiederaufbau mit den Bleibewünschen gut integrierter Menschen in Deutschland austarieren.“ ck „EINE RÜCKKEHR SOLLTE EINE INDIVIDUELLE ENTSCHEIDUNG SEIN“ „Grundsätzlich wünscht sich jeder, eines Tages in seine Heimat zurückzukehren, aber aktuell ist die Infrastruktur in Syrien noch nicht ausreichend für eine breite Rückkehr. Das war auch die Beobachtung beziehungsweise Aussage von Bundesaußenminister Wadepuhl nach seinem Besuch in Syrien. Ich selbst habe mir in Deutschland ein Leben aufgebaut und befinde mich noch in einer wichtigen Phase meines beruflichen und persönlichen Weges. Deshalb sollte eine Rückkehr meiner Meinung nach keine pauschale Forderung sein, sondern eine individuelle Entscheidung bleiben.“ Foto: privat „DIE POLITISCHE LAGE IN DER GESAMTEN REGION BLEIBT LABIL“ „Ich finde, dieses Thema ist äußerst komplex, und die Frage einer Rückkehr nach Syrien lässt sich nicht mit mathematischen Zahlen oder einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Die Rückkehr nach Syrien sollte weder für Schlagzeilen noch als Wahlkampfthema genutzt werden. Entscheidend sind vielmehr stabile Verhältnisse, Sicherheit sowie der Wiederaufbau von Infrastruktur und Lebensgrundlagen – all das ist nach knapp 15 Jahren Krieg noch lange nicht ausreichend gegeben. Zudem bleibt die politische Lage in der gesamten Region angespannt und labil. Aktuelle Konflikte und Spannungen – etwa im Zusammenhang mit den USA, Israel und dem Iran – zeigen, dass die Situation weiterhin unsicher ist.“ Foto: privat „SOLL MAN EIN STABILES LEBEN FÜR EINE UNGEWISSE ZUKUNFT AUFGEBEN?“ „Zunächst ist unklar, an wen sich diese Aussage richtet – wie sie vom syrischen Präsidenten oder vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz gemeint war. Wenn sie aus Syrien kommt, wäre sie wohl eher so zu verstehen, dass das Land möglicherweise in einigen Jahren freiwillig zurückkehrende Syrer aufnehmen kann – zwingen kann Syrien jedoch niemanden zur Rückkehr. Wenn sie aus Deutschland kommt, handelt es sich nicht um ein Gesetz und kann keine Grundlage für pauschale oder unüberlegte Maßnahmen sein. Am Ende steht man vor der Frage, ein stabiles Leben für eine ungewisse Zukunft aufzugeben – das ist wie eine Wette, die man nicht immer gewinnt.“ Foto: privat Mariam Dahmach, Zahnarzthelferin im Implantatzentrum Dresden – MVZ Aslan &Kollegen Imad Miskineh, angestellter Zahnarzt in Frankfurt am Main Dr. Anas Akminasi, niedergelassener Oralchirurg und Kieferorthopäde in Bremen

22 | PRAXIS WIE LÄUFT ES IM PRAXISALLTAG MIT DER EPA? Prozess statt Paukenschlag Seit etwa einem halben Jahr sind Zahnärztinnen und Zahnärzte verpflichtet, die elektronische Patientenakte (ePA) zu befüllen. Welche Rolle spielt die ePA in den Praxen? Wie ist der Status quo, was ist geplant, wo hakt es noch? Was muss passieren, damit die ePA einen echten Mehrwert bietet? Eine kurze Übersicht. Im vergangenen Jahr wurde die ePA allen Versicherten bereitgestellt, die nicht widersprochen haben. Für knapp 73 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben die gesetzlichen Krankenkassen damit eine E-Akte angelegt. Und doch nimmt das Interesse erst langsam zu. Wie die gematik jüngst mitteilte, verwaltet nur ein kleiner Teil der Versicherten (ca. 5 Prozent) die ePA aktiv über die App der Krankenkasse. In Zahnarztpraxen kommt die ePA vor allem im Rahmen der Anamnese zum Einsatz, es gibt hier aber weniger verpflichtende Anlässe zur Befüllung. Das ist keine bewusste Zurückhaltung der Zahnärzte, sondern ein Spiegel der Versorgung. Anders als Ärzte erstellen sie nämlich seltener Befundberichte für Dritte, die in die ePA übertragen werden müssen. Hinzu kommt: Die ePA profitiert vom Mitmachen der Patienten. Auf ihren Wunsch können weitere Daten aus der Behandlung in die ePA eingestellt werden. Doch viele Versicherte nutzen ihre Akte bislang nicht aktiv. Entsprechend selten entstehen in Zahnarztpraxen zusätzliche Einträge, etwa in das Zahnbonusheft, die über das Notwendige hinausgehen. Der eigentliche Wandel kommt erst noch Trotzdem kann die ePA bereits heute sinnvoll genutzt werden. Medikationsdaten oder einzelne Befunde können helfen, in der Behandlung schneller an relevante Gesundheitsinformationen zu kommen. Selbst eine schmale Akte kann wichtige Hinweise auf die Vorgeschichte der Patienten liefern. Wichtig ist auch, dass die ePA keine statische Akte ist. Sie wird dynamisch weiterentwickelt. Mit dem digital gestützten Medikationsprozess und dem digital gestützten Laborprozess starten in diesem Jahr zwei Funktionen, die Daten künftig besser verknüpfen und direkter nutzbar machen sollen. Weitere Anwendungen und Funktionen sind in Planung. Auch die Technik wird weiter verbessert: Neue Sicherheitsstandards oder die Weiterentwicklung der Infrastruktur zur TI 2.0 sollen die Voraussetzungen für einen stabilen und zukunftsfähigen Betrieb schaffen. Entscheidend ist aber noch etwas anderes: Die Weiterentwicklung der ePA braucht Impulse aus der Versorgung, aus den Praxen und aus der Selbstverwaltung. Denn maßgeblich für die Relevanz ist die Nutzersicht. So müssen beispielsweise native Bildformate in der ePA verarbeitet werden können, um für Zahnarztpraxen Mehrwerte zu schaffen. Was von oben verordnet wird, kann funktionieren, aber was aus der Versorgung heraus entsteht, wird genutzt. Christian Pfeifer Abteilung Telematik der KZBV In der Woche vom 13. bis 19. April 2026 griffen über 27.000 Zahnarztpraxen auf die ePA zu. Gleichzeitig riefen Nutzer aller Sektoren die elektronische Medikationsliste rund 22,7 Millionen Mal ab. Foto: © Simon Lehmann - PhotoGranary - adobe.stock.com zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (688)

Darum habe ich mich von Expertinnen und Experten beraten lassen, die genau verstehen, was für meinen Vermögensaufbau und meine Zukunftspläne wichtig ist. Mehr erfahren auf apobank.de Die beste Wahl für gesunde Finanzen. Sie gehen ja auch nicht zum Gemüsehändler, wennSie ’ne Wurzelbehandlung brauchen. Dr. med. dent. Ulrich Watzinger

24 | PRAXIS zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (690) „DIE EPA HAT NOCH LUFT NACH OBEN“ Wenn das Ganze gut funktioniert, ist es toll. Soviel zur Theorie. Aber die ePA läuft noch immer nicht rund, es hakt oft bei der Technik. Der Konnektor scheint das Nadelöhr zu sein und ist auch gern einmal nicht verfügbar. Enttäuschend sind auch die vielen unvergüteten Stunden, die man außerhalb der Behandlungszeiten für Wartungen, Updates oder Tausch von Systemkomponenten über das Jahr verteilt am Rechner sitzt, um die TI wieder zum Laufen zu bringen. Die ePA ist noch lange nicht nutzerfreundlich, da ist noch viel Luft nach oben in puncto Nutzbarkeit und Bedienbarkeit. Anlassbezogene Befundberichte stelle ich selten in die ePA ein. Am sinnvollsten finde ich das elektronische Bonusheft. Das bieten wir den Patienten bei deren Zustimmung an. Damit können sie den aktuellen Stand ihrer zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen gesichert nachweisen, falls sie Zahnersatz benötigen. Dies spart gegebenenfalls Nachfragen oder Fehleinträge durch die Krankenkasse. Wenn im herkömmlichen Bonusheft Einträge fehlen, müssen die Patienten dies hingegen im Nachgang mit der Kasse klären, und das ist meist sehr aufwendig. Die Patientinnen und Patienten interessieren sich überwiegend nicht für die ePA. Meiner Ansicht nach ist es immer noch Aufgabe der Krankenkassen, ihre Versicherten über die E-Akte zu informieren. Aber die Aufklärung scheint bisher noch nicht auf fruchtbareren Boden als bei den beiden eingestampften Vorgängerversionen zu fallen. Und wie soll die Motivation für uns Leistungserbringer gesteigert werden, wenn die aktuellen Vorschläge der FinanzKommision Gesundheit vorsehen, dass die Vergütung von 2 beziehungsweise 4 Punkten ab 2027 abgesetzt werden soll? Leistungszwang ohne Vergütung kann nicht funktionieren. Dr. Gunter Lühmann ist niedergelassener Zahnarzt in Hamburg-Harburg und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KZV Hamburg. Foto: Manja Carlsson Foto: Buenger und Meißner „BISLANG WIRD DIE AKTE KAUM NACHGEFRAGT“ Die ePA ist für uns im Praxisalltag bislang noch kein großes Thema, denn sie wird aktuell praktisch kaum nachgefragt. Somit nutzen wir die Möglichkeit auch nur sehr begrenzt. Wenn wir uns in unserer TI die Freigabe der e-Akte seitens der Patienten anschauen, dann haben geschätzt lediglich etwa fünf Prozent ihre ePA aktiviert. Unser Rezeptions-Team bestätigt uns das: Die Nachfrage sowie die Interaktionen bezüglich der ePA und ihrer Inhalte lassen sich bisher an einer Hand abzählen. Wir haben das Thema aber dennoch dauerhaft auf unserer Agenda und klären derzeit bei den Team-Meetings zum Beispiel, wie wir bei Überweisungen das Röntgenbild per E-Mail und datenschutzgerecht versenden. Das könnte – insofern die Patienten dies bei ihrer Karte aktiviert haben – bald auch in die ePa übermittelt werden. Wir nutzen als Praxisverwaltungssoftware übrigens Dentport. Die ePAFunktionalität war dort schon sehr früh implementiert und funktioniert reibungslos. Dr. Thomas Meißner und Dr. Laura Buenger leiten die Praxis Buenger und Meißner in Potsdam, Brandenburg. „DER BENEFIT ERSCHLIEẞT SICHMIR BISLANG NOCH NICHT!“ Die Voraussetzungen für den Einsatz der ePA sind in der Praxis geschaffen. Allerdings fragen auch bei uns nur sehr wenige Patienten dazu an. Der Benefit erschließt sich mir bislang noch nicht: Noch sind Aufwand und Kosten hoch, die Nutzbarkeit begrenzt. Röntgenbilder etwa sind meist zu groß, um sie problemlos in der digitalen Akte hochladen zu können. Arztbriefe stellen wir Zahnärzte ja nicht ein. Umgekehrt kann ich sehen, wenn ein Patient die ePA aktiv nutzt und befüllt beziehungsweise befüllen lässt. Dr. Ellen Hellwig ist niedergelassene Zahnärztin in Kenzingen, Baden-Württemberg. Foto: Ellen Hellwig Stimmen aus den Praxen

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